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«Design for Recycling»: Das Ende am Anfang mitdenken

04.11.2021
von Akvile Arlauskaite

Die Schweiz gilt als Weltmeisterin im Recycling – ausser im Bereich der Kunststoffe.  Weshalb dem so ist und wie Unternehmen mittels des «Design for Recycling»-Ansatzes bereits bei der Herstellung den Weg in die Kreislaufwirtschaft ebnen können.

In der Schweiz werden jährlich circa 780 000 Tonnen Kunststoffabfälle erzeugt. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt BAFU landen mehr als 80 Prozent davon in Kehrichtverbrennungsanlagen zur thermischen Verwertung, etwa sechs Prozent werden energetisch verwertet. «Davon werden immerhin 80 000 Tonnen aus Separatsammlungen und aus der Sammlung von PET Getränkeflaschen mechanisch recycelt», ergänzt Patrick Semadeni, Mitglied im Vorstand des schweizerischen Verpackungsinstituts SVI und Hersteller von Kunststoffverpackungen. «Aber natürlich müssen mehr Kunststoffabfälle auf diese Weise recycelt werden», merkt der Experte an.

Status quo des Recyclings von Kunststoffverpackungen

Seit 2000 werden in der Schweiz keine brennbaren Abfälle mehr deponiert. Alle Kunststoffabfälle müssen umweltgerecht verwertet werden, entweder stofflich oder energetisch. «Die gut ausgebaute Infrastruktur an Kehrichtverbrennungsanlagen in der Schweiz erlaubt es, Kunststoffe thermisch zu verwerten und die gewonnene Energie zu Heizzwecken zu verwenden. Daher wurden Kunststoff-Abfallströme bisher in diese Richtung gelenkt», beschreibt Semadeni. 

Dennoch liegen im Recycling von Kunststoffen noch Chancen, um Stoffkreisläufe zu optimieren. Dies stellt eine grosse Herausforderung dar, denn nicht nur müssen alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette, sondern auch die Endverbrauchenden Verantwortung übernehmen, um ein funktionsfähiges System zu ermöglichen. «Jedoch sind sich Konsumierende durchaus bewusst, dass das Recycling von Kunststoffverpackungen sinnvoll ist. Bestehende Sammlungen, etwa in den Coop- und Migros-Filialen, beweisen das. Die Menschen wollen sammeln und recyceln», so Semadeni. 

Zusatzstoffe, Material- und Plastikmix erschweren das Recycling

Zwar weist die Rezyklierbarkeit von Kunststoffverpackungen einen zunehmenden Trend auf. Dennoch ist ein Teil davon kaum recycelbar. Drei Hauptprobleme stehen dem gemäss der «Initiative Frosch» im Wege: ein Mix an Materialien oder verschiedenen Plastiksorten sowie Zusatzstoffe.

Ein typisches Beispiel für eine Kunststoffverpackung aus einem Materialmix ist der altbekannte Joghurtbecher. Die Kombination aus Plastik, Aludeckel und Papphülle ist aufwendig im Recycling – aus dem Geschredderten wird bestenfalls eines der Materialien wiederverwendet, der Rest wird verbrannt. Schlimmstenfalls wird bei der Müllsortierung nur die Banderole des Bechers registriert, wodurch dieser in der falschen Fraktion landet und komplett verbrannt wird.

Doch auch Verpackungen aus 100 Prozent Kunststoff sind nicht immer problemlos recycelbar. Mehrschichtfolien etwa, die aus einem Plastikmix bestehen – sprich aus mehreren ultradünnen Schichten diverser Kunststoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften –, erfüllen fortschrittliche Funktionen wie den Schutz vor Feuchtigkeit oder Sauerstoff. Problematisch ist allerdings, dass sich die verschiedenen Sorten im Nachhinein nicht voneinander trennen lassen. Auch sind sie nicht in einem Stück recycelbar, da sie nicht zusammen eingeschmolzen werden können. In den meisten Fällen kann nur die gesamte Verpackung verbrannt werden. In Deutschland besteht jedoch eine erste Anlage im industriellen Massstab, welche Verbundfolien chemisch recyceln kann. Semadeni stellt eine weitere positive Entwicklung fest: «Schon heute sind die meisten festen Verpackungen aus Monomaterial und lassen sich gut recyceln. Ausserdem macht die Sortiertechologie rasche Fortschritte.»

Nicht zuletzt erschweren Zusatzstoffe wie Farben das Recycling von Kunststoffverpackungen. Je heller der Kunststoff, desto eher kann dieser hochwertig wiederverwendet werden. Da das Rezyklat aber bisweilen nur nach Sorten und nicht nach Farben getrennt wird, fällt dieses oft dunkel aus, welches Produzierende nicht für neue Verpackungen verwenden möchten.

«Design for Recycling»: ein smarter Optimierungsansatz

Kann der Grossteil einer Kunststoffverpackung in ein Sekundärmaterial überführt werden, das zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden kann, gilt diese als recyclingfreundlich, so die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V.. Der «Design for Recycling»-Ansatz hilft in diesem Sinne, die Recyclingquoten zu erhöhen und Kreisläufe zu schliessen. Hierbei setzt man laut Semadeni bereits bei der Herstellung an: «Verpackungen werden so konzipiert, dass diese am Ende ihres Lebenszyklus möglichst gut recycelt werden können». In diesem Sinne sollte laut der IK bei Kunststoffverpackungen auf die folgenden Aspekte geachtet werden.

Je weniger Materialsorten zu einer Verpackung verarbeitet werden, desto höher deren Recyclingfähigkeit. Idealerweise wird ein einziger Typ eines leicht recycelbaren Polymers verwendet, beispielsweise PE-HD, PE-LD, PP oder PET. Ausserdem sollten Materialkombinationen, wie etwa beim erwähnten Joghurtbecher, gemieden werden oder sollten zumindest Einzelteile wie Etiketten oder Verschlüsse leicht separierbar sein. «Ebenso wirkungsvoll sind Massnahmen zur Reduktion der Kunststoffmenge. Also Verzicht auf Überverpackung, möglichst geringe Wandstärken, kleine Verschlüsse», ergänzt Semadeni.

Weiter sollte laut dem Experten auf Einfärbung möglichst verzichtet werden, da farblose Polymere im Recycling wertvoller sind. Gleiches gilt für weitere Zusatzstoffe wie Kleb- und Beschichtungsstoffe sowie verzichtbare Additive, denn diese können das Recyceln erschweren. Zudem sollten Verpackungen so konzipiert werden, dass diese möglichst gut entleert werden können, um Verunreinigungen beim Recyceln zu verhindern. Nicht zuletzt sollten Kunststoffverpackungen auch als solche gekennzeichnet werden, damit Konsumierende diese unterscheiden und korrekt entsorgen können.

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