Die Schweizer Bauwirtschaft realisiert unsere Zukunft: Sie schafft Wohn- und Arbeitsraum und stellt die Infrastruktur für unsere Mobilität und Energiegewinnung sicher. Mit rund 500 000 Beschäftigten, über 75 000 Unternehmen und einer jährlichen Wertschöpfung von mehr als 65 Milliarden Franken ist sie auch ein zentraler Wirtschaftsmotor unseres Landes. Doch die Schweizer Bauwirtschaft ist mehr als nur eine Branche. Sie ist ein komplexes Zusammenspiel von Planung, Ausführung und Materialproduktion. Und sie ist eng verflochten mit den von Politik und Gesellschaft vorgegebenen ambitionierten Zielen in den Bereichen Netto-Null, Kreislaufwirtschaft oder Energiesuffizienz und -produktion. Wer über die Zukunft der Schweiz spricht, spricht immer auch über die Zukunft der Bauwirtschaft.
Aufgrund dieser Ausgangslage braucht es für die Unternehmen, Handwerksbetriebe und Planungsbüros in unserem Sektor verlässliche und vorausschauende Rahmenbedingungen. Die Bauwirtschaft ist langfristig ausgerichtet. Investitionen, Planungen und Innovationen entfalten ihre Wirkung über Jahrzehnte hinweg. Die Branche investiert seit Jahren in neue Lösungen, Materialien und in die Ausbildung. Eine Stop-and-Go-Politik ist dabei kontraproduktiv. Die nachfolgenden Themen zeigen exemplarisch einige Bereiche, in denen sich die Bauwirtschaft im Umbruch befindet.
Innenentwicklung als Chance und Herausforderung
Ein zentrales Spannungsfeld zeigt sich in der Raum- und Siedlungsentwicklung. Die Schweiz wächst, doch der verfügbare Raum bleibt begrenzt. Die Antwort darauf ist die Innenentwicklung – die Verdichtung bestehender Siedlungen. Sie ist nicht nur raumplanerische Notwendigkeit, sondern auch ökonomische Chance. Richtig umgesetzt entstehen lebendige Quartiere, kurze Wege und eine hohe Lebensqualität. Doch die Realität zeigt: Komplexe Verfahren, lange Bewilligungsprozesse und zunehmende Einsprachen bremsen die Entwicklung. Hier braucht es effizientere, digitale und stufengerechte Prozesse, die Qualität sichern und gleichzeitig Tempo ermöglichen. Ein erstes gutes Zeichen setzte der Bundesrat am 22. April dieses Jahres mit konkreten Aufträgen an die Bundesverwaltung zuhanden des Parlamentes. Unter anderem soll der Wohnungsbau als nationales Interesse im Raumplanungsgesetz verankert oder die Beschwerdelegitimation für Privatpersonen und die Einschränkung zulässiger Rügen, wenn es um Verfahren vor dem Bundesgericht geht, überprüft werden. Auf dem Weg zu schlankeren und effizienteren Baubewilligungsverfahren braucht es weiter einen intensivierten Dialog zwischen allen beteiligten Akteuren. Aus diesem Grund engagiert sich der Dachverband der Bauwirtschaft 2026 für ein gemeinsames Verständnis in einer qualitätsvollen Innenentwicklung und unterstützt zum Beispiel den Jahreskongress von EspaceSuisse am 25. Juni 2026 zum Thema «Qualität gelingt nur, wenn die Bauwirtschaft, Planung, Gemeinden, Politik und Bevölkerung zusammenarbeiten».
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es entscheidend, auch künftig junge Menschen für Berufe zu begeistern, in denen gemessen, montiert, gerechnet, geplant, gemauert, geschreinert oder programmiert wird.
Nachhaltig bauen, Kompetenzen stärken
Die Schweizer Bauwirtschaft ist auch ein Innovationsraum. Die Branche investiert seit Jahren in neue Materialien, digitale Planungsmethoden und nachhaltige Bauweisen. Der Wandel hin zu einer Kreislaufwirtschaft ist in vollem Gang. Ressourcen sollen geschont, Materialien wiederverwendet und Emissionen reduziert werden. Diese Transformation ist anspruchsvoll, aber notwendig – und sie bietet wirtschaftliche Chancen. Voraussetzung ist jedoch ein ganzheitlicher Blick: Nachhaltigkeit endet nicht beim Energieverbrauch eines Gebäudes, sondern umfasst dessen gesamten Lebenszyklus, von der Planung bis zum Rückbau.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der Bildung. Die Bauwirtschaft bildet rund einen Fünftel aller Lernenden aus und bietet vielfältige Karrierewege. Sie ist ein Rückgrat des dualen Bildungssystems. Doch die Anforderungen verändern sich rasch: Digitalisierung, neue Technologien und steigende Komplexität verlangen nach kontinuierlicher Weiterentwicklung. Wer die Schweiz von morgen bauen will, muss heute in Köpfe und Kompetenzen investieren.
Mehr Sichtbarkeit für die Bauwirtschaft
Die Beilage von Finanz und Wirtschaft widmet sich der Bauwirtschaft und vertieft die im Editorial angerissenen Themen. Gleichzeitig bietet sie Gelegenheit, die Vielfalt und Bedeutung unseres Sektors aufzuzeigen. Ein wichtiger Beitrag, denn die Bedeutung der Bauwirtschaft als Fundament der Schweiz ist in der Bevölkerung zu wenig präsent. Deshalb hat sich Bauenschweiz mit seinen Mitgliedern Anfang 2025 strategisch entschieden, die Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren. Das Ziel ist ein professioneller Auftritt, der neben der Wirtschaftskraft auch die gesellschaftliche Verantwortung der Branche sichtbar macht.
Parallel dazu wird ein Netzwerk von Fachpersonen aufgebaut, das Medienschaffenden als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Ein erstes gemeinsames Projekt mit Mitgliedern und Partnern war zudem die Unterstützung des Spick. Das Jugendmagazin fokussierte in seiner Themenausgabe vom April auf die Bauwirtschaft und wurde an alle Abonnentinnen und Abonnenten sowie an Schulen in allen Landesteilen versendet. Das Spick zeigt jungen Leserinnen und Lesern die Vielfalt der Bauwirtschaft – mit Einblicken in unterschiedliche Baustellen und Berufe oder in Themenfelder wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Parallel dazu baute das Bauenschweiz-Team einen digitalen Themenhub unter bauenschweiz.ch/spick auf, der Daten, Fakten und Geschichten aus der Schweizer Bauwirtschaft bündelt. Denn gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es entscheidend, auch künftig junge Menschen für Berufe zu begeistern, in denen gemessen, montiert, gerechnet, geplant, gemauert, geschreinert oder programmiert wird.
Text Hans Wicki, Ständerat und Präsident Bauenschweiz und Cristina Schaffner, Direktorin Bauenschweiz

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