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Lifestyle Gesundheit

Ausgewogen essen, nachhaltig handeln: Die Zukunft beginnt auf dem Teller

24.07.2026
von SMA

Ein gefüllter Teller erzählt jeden Tag eine Geschichte. Er steht für Gewohnheiten, Vorlieben, Kultur und Alltag. Zugleich ist er ein Statement – für Gesundheit, Lebensqualität und für eine Erde, auf der Menschen auch künftig gut leben können. Doch gerade beim Essen wird Orientierung anspruchsvoller: Foodtrends, Social-Media-Hypes und Ernährungsmythen prägen die öffentliche Diskussion. Wer fundierte Entscheidungen treffen will, braucht verlässliche, neutrale und verständlich aufbereitete Informationen.

Dr. Melanie Loessner
Expertin für Gesundheitsförderung und Prävention sowie Fachexpertin Ernährung und Kommunikation

Damit aus Wissen gute Essentscheidungen werden

Ernährung ist weit mehr als die Summe einzelner Nährstoffe und isolierter Lebensmittel. Sie betrifft Genuss, Gesundheit, soziale Zugehörigkeit, Budget, Zeit, Umwelt und persönliche Werte. Ernährungsempfehlungen müssen daher wissenschaftlich fundiert sein – und zugleich Freude machen, verständlich bleiben und im Alltag funktionieren. Gute Ernährungskommunikation braucht qualifizierte Fachpersonen, die wissenschaftliche Evidenz einordnen, verständlich übersetzen und verantwortungsvoll vermitteln können. Gesundheitskompetenz spielt dabei eine zentrale Rolle. Menschen sollen Informationen zu Ernährung und Gesundheit finden, verstehen, beurteilen und für ihren eigenen Alltag nutzen können. Gerade in einer Zeit, in der Ernährungsthemen oft zugespitzt, emotionalisiert oder kommerziell vereinnahmt werden, braucht es eine klare Orientierung: Was ist wissenschaftlich gut belegt? Was ist ein kurzfristiger Trend? Welche Empfehlungen lassen sich realistisch umsetzen? Und wo braucht es differenzierte Antworten statt einfacher Versprechen? Und nicht zuletzt ist entscheidend, wer diese Informationen verbreitet: Hier kommt neutralen Informationsquellen und Stakeholdern, die wissenschaftliche Evidenz verlässlich einordnen und frei von kommerziellen Einzelinteressen zugänglich machen, eine besondere Bedeutung zu.

Gesundheitsförderung beginnt im Alltag

Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Baustein von Gesundheitsförderung und Prävention. Sie kann dazu beitragen, das Risiko für nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder bestimmte Krebserkrankungen zu senken. Entscheidend ist jedoch nicht die einzelne perfekte Mahlzeit, sondern das Ernährungsmuster über einen langen Zeitraum: abwechslungsreich, pflanzenbetont, genussvoll und angepasst an die persönliche Lebenssituation. Dabei geht es nicht darum, Menschen vorzugeben, was sie essen sollen. Gute Prävention stärkt die Fähigkeit, informierte Entscheidungen zu treffen. Sie nimmt Lebensrealitäten ernst und setzt nicht allein auf Wissen oder Willenskraft. Denn was auf dem Teller landet, hängt von vielen Faktoren ab: von Angebot und Preis, von Zeit und Kochkompetenz, von Esskultur, Arbeitsalltag, Betreuungspflichten, Einkaufsmöglichkeiten und sozialen Gewohnheiten.

Noch nie war der Zugang zu Ernährungsinformationen so einfach – und selten war es so anspruchsvoll, deren Qualität einzuschätzen.

Die Schweizer Präventionslandschaft

In der Schweiz sind Gesundheitsförderung und Prävention breit abgestützt. Bund, Kantone, Gemeinden, Fachorganisationen, Bildungsinstitutionen, Unternehmen und viele andere übernehmen unterschiedliche Rollen. Diese Vielfalt ist eine Stärke, bringt aber auch Herausforderungen mit sich: Informationen müssen anschlussfähig sein, fachlich konsistent bleiben und die unterschiedlichen Zielgruppen erreichen können. Dafür ist ein starkes Netzwerk erforderlich. Wichtige Präventionsansätze in der Schweiz sind heute stark Setting-orientiert. Das bedeutet: Gesundheit wird dort gefördert, wo Menschen leben, lernen, arbeiten, einkaufen, essen und sich bewegen. Gerade bei Ernährung und Bewegung zeigt sich, wie bedeutsam Rahmenbedingungen sind. Die gesunde Wahl wird einfacher, wenn sie verfügbar, attraktiv, bezahlbar und sozial akzeptiert ist. Praxistaugliche Materialien und Projekte sind dabei ein zentraler Schlüssel. Sie machen wissenschaftliche Empfehlungen greifbar und erleichtern den Transfer in Schule, Betrieb, Beratung, Gemeinde und Alltag. Gute Materialien erklären nicht nur, was gesundheitsförderlich ist, sondern zeigen konkret, wie es umgesetzt werden kann – verständlich, visuell zugänglich, zielgruppengerecht ansprechend.

Kein Gegensatz: Gesundheit und Nachhaltigkeit

Gesundheit und Nachhaltigkeit werden bei der Auswahl von Lebensmitteln manchmal als konkurrierende Ziele wahrgenommen. Dabei lassen sich beide Anliegen gut verbinden. Eine pflanzenbetonte Ernährung, saisonale und regionale Lebensmittel, ein bewusster Umgang mit tierischen Produkten sowie die Vermeidung von Food-Waste können sowohl die Gesundheit fördern als auch Umwelt und Ressourcen schonen. Wichtig ist auch hier eine realistische Kommunikation. Nachhaltiges Essen muss nicht kompliziert sein und soll nicht moralisieren. Es beginnt oft mit kleinen, wiederholbaren Schritten: mehr Gemüse und Hülsenfrüchte einplanen, Mahlzeiten ausgewogen zusammenstellen, Reste verwerten, saisonal einkaufen oder neue pflanzliche Gerichte ausprobieren. Entscheidend ist, dass Veränderungen zum Alltag passen und die Freude am Essen erhalten bleibt.

Verlässlichkeit in einer lauten Ernährungswelt

Noch nie war der Zugang zu Ernährungsinformationen so einfach – und selten war es so anspruchsvoll, deren Qualität einzuschätzen. Ernährung wird in sozialen Medien, Werbung, Ratgeberliteratur und öffentlichen Debatten häufig mit starken Botschaften verknüpft: Superfoods, Verbote, Detox-Versprechen, Proteintrends oder personalisierte Heilsversprechen. Umso wichtiger sind Unabhängigkeit, Neutralität und Transparenz bei der Vermittlung von Gesundheits- und Ernährungsinformationen. Neutrale Information bedeutet, Empfehlungen so zu formulieren, dass Menschen sie selbstbestimmt einordnen können. Vertrauen ist dabei eine zentrale Voraussetzung. 

Ein Teller, viele Möglichkeiten

Ernährungswissen verändert die Welt nicht allein – aber es schafft eine wichtige Grundlage für reflektierte Entscheidungen. Jeder mit diesem Wissen gefüllte Teller ist eine Chance: für mehr Gesundheit, einen bewussteren Umgang mit Ressourcen und nachhaltigere Perspektiven.

Text Dr. Melanie Loessner, Expertin für Gesundheitsförderung und Prävention sowie Fachexpertin Ernährung und Kommunikation, vertritt die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE

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