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Kate Hudson: «Für mich ist Unternehmertum etwas sehr Kreatives»

24.07.2026
von Marlène von Arx

Kate Hudson wuchs in einer Promi-Familie in Hollywood auf und wurde früh selber berühmt – leider oft ein Rezept für Überforderung und Abstürze. Nicht so bei der viel beschäftigten Schauspielerin und Unternehmerin, die zurzeit ein weiteres Karrierehoch erlebt.

Selbst Langzeitkarrieren in Hollywood haben ihre Höhen und Tiefen. Die von Kate Hudson befindet sich gerade in einem Hoch: Ihre letzte Kinorolle in «Song Sung Blue» brachte ihr diesen Frühling ihre zweite Oscar-Nominierung ein. In der tragischen Liebesgeschichte spielt sie eine Sängerin, die mit ihrem Partner (Hugh Jackman) als Neil-Diamond-Coverduo unterwegs ist und von Schicksalsschlägen heimgesucht wird.

So unglamourös hat man die Schauspielerin selten gesehen, was in Hollywood gerne mit besonderem Einsatz für die Kunst gleichgesetzt wird. Fast gleichzeitig und wieder sehr schick gestylt, führte sie mit der zweiten Staffel von «Running Point» die Serien-Charts auf Netflix an. In der sowohl beim Publikum wie bei Kritiker:innen beliebten Comedy-Serie gehört sie als unterschätzte Isla Gordon der Besitzerfamilie eines fiktiven Profi-Basketball-Teams in Los Angeles an. Nach einem Skandal tritt ihr Bruder als Präsident zurück. Isla übernimmt das Zepter und muss sich nicht nur gegenüber ihrer Familie, sondern auch gegenüber der Sport-Community beweisen. «Zum ersten Mal überhaupt habe ich eine zweite Staffel gedreht», erzählt die 47-jährige Schauspielerin in unserem «Running Point»-Interview vor Kurzem. «Das ist toll, denn man muss die Figur nicht mehr erklären und kann gleich loslegen. Ich habe mich allerdings nach der Pause schon gefragt: Ist das wie Velofahren? Oder muss ich mich zuerst wieder einleben?» Als sie ihre Serienbrüder wieder traf, war die Erinnerung und Dynamik schnell wieder hergestellt. «Es war wie ‹Groundhog Day›, als hätte man alles schon mal erlebt, als wir wieder in unseren Bürokulissen sassen. War tatsächlich schon ein Jahr vergangen?»

Menschen und Situationen verändern sich. Akzeptanz ist ein grosser Aspekt einer Beziehung – auch die Akzeptanz der eigenen Fehler.– Kate Hudson

Eine Frau an den Schalthebeln der Macht – ob vor der Kamera in «Running Point» oder hinter der Kamera in der Unterhaltungsindustrie allgemein – Kate Hudson kennt die oft schwierige Situation zur Genüge. Die Dinge werden jedoch besser für Frauen, findet sie: «Der Schleier hebt sich, aber man muss selber anpacken, die Ärmel hochkrempeln und Projekte zum Entstehen bringen. Das ist viel Arbeit, vor allem in der Entwicklungsphase. Es braucht seine Zeit. Frauen müssen sich gegenseitig unterstützen und füreinander kämpfen. Darüber spreche ich mit meinen Freundinnen dauernd.» Und so steckt hinter der Sport-Comedy «Running Point» auch sehr viel Frauen-Power: Es war nämlich die Besitzerin und Präsidentin der Los Angeles Lakers Jeanie Buss, die die Idee hatte, ihre Erfahrungen als erste Frau, die ihr Team zu einer NBA-Meisterschaft führte, in einer Comedy aufzuarbeiten. Sie ging auf die Schauspielerin, Autorin und Produzentin Mindy Kaling zu, die die Prämisse weiter bis zur Netflix-Serie entwickelte. Inzwischen ist bereits die dritte Staffel in Arbeit. 

Wie man an der Spitze eines Unternehmens überlebt, ist eine Frage, die sich nicht nur die fiktive Isla Gordon stellt. «Spitzenpositionen für Frauen sind ja eigentlich ein neues Phänomen, wenn man denkt, wie lange es die Menschheit schon gibt oder wie lange Frauen das Stimmrecht haben», holt Hudson aus. «Frauen wurden nicht nur von aussen unterschätzt, sondern sie mussten auch den inneren Mut finden, sich nach vorne zu kämpfen. Es braucht immer noch viel Mut dazu. Mir fehlt er manchmal auch.» Sie hat eine Theorie, wann die Gleichberechtigung wirklich Realität sein wird: «Nämlich wenn das Generationenvermögen gleichsam auch auf Frauen verteilt ist. Letztlich bewegt Geld alles, auch wenn wir wünschten, es wäre anders. Je mehr Frauen in der Position sind, Geld zu verteilen, desto gleichberechtigter wird es, wie Dinge gehandhabt werden.»

Foto von Kate Hudson in weissem Kleid

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Die Pros und Cons des Family-Business

Wenn es ums Vererben geht, ist Kate Hudson in einer privilegierten Lage. Nicht nur, was Geld, sondern auch Talent betrifft: Ihre Mutter ist die Schauspielerin Goldie Hawn, ihr Vater der Musiker Bill Hudson und ihr Stiefvater, der sie zusammen mit ihrer Mutter aufgezogen hat, ist der als Schauspieler ebenfalls viel beschäftigte Kurt Russell. Als erstes Vorbild nennt sie ihre «Mommy»: «Sie ist nicht nur göttlich feminin, sondern hat auch eine starke maskuline Energie, die für Sachen kämpfen und sie erledigen kann. Sie war sehr ehrgeizig und produzierte die Filme, die sie machen wollte. Sie war die erste Produzentin, die in ihren Filmen die Hauptrolle spielte.» 

Als Hollywood-Insiderin konnte sich Kate Hudson auch auf die Unterstützung der legendären Produzentin Lynda Obst, mit der sie als Jungstar bei «How to Lose a Guy in 10 Days» (2003) zusammenarbeitete, und der Studio-Chefin Sherry Lansing verlassen. In den Filmen ihrer Eltern aufzutreten, drängte sich für Kate Hudson jedoch nicht auf. Für eine Zusammenarbeit mit ihrer Mutter wartet sie immer noch auf das ideale Projekt. Mit ihrem «Pa» Kurt Russell trat sie im Desasterfilm «Deepwater Horizon» (2016) auf. Aber sie hatten keine gemeinsamen Szenen. «Heisst es nicht, man soll Geschäft und Familie trennen?», fragt Hudson, die in «Running Point» versucht, gleichzeitig ein Unternehmen zu führen und ihre Brüder happy zu machen. «Aber die Prozentzahl von Menschen, die ins Familiengeschäft einsteigen, ist sehr hoch. Ich glaube, es sind über achtzig Prozent. Wenn man es richtig hinkriegt, ist man unschlagbar, und wenn nicht, ist es der grösste Fehlentscheid im Leben.»

Weg von veralteten Ideen 

Mit vielen Talenten gesegnet, hat Kate Hudson schon früh ihre Karriere diversifiziert: 2013 gründete sie mit Partnern, die zu einem Milliardengeschäft avancierte Luxus-Sportbekleidungsmarke Fabletics. 2016 und 2017 schrieb sie die Selbsthilfebücher «Pretty Happy: Healthy Ways to Love Your Body» und «Pretty Fun: Creating and Celebrating a Lifetime of Tradition». Dazu kreierte sie Business-Modelle für die Wellness-Brand «In Bloom» und den glutenfreien Wodka «King St. Vodka». «Für mich ist Unternehmertum etwas sehr Kreatives», erklärte sie in unserem Interview 2017. «Es ist auch eine veraltete Idee, dass Schauspieler und Künstlerinnen nichts anderes sein sollen als Schauspieler und Künstlerinnen.»

Und je älter ich werde, desto weniger versuche ich anderen zu gefallen. Ich versuche realistisch zu sehen, was wirklich ist.– Kate Hudson

Höhen und Tiefen gibt es im Leben so oder so. Das gut gemeinte Musical «Music» von Popstar Sia war 2021 ein Flop an der Kinokasse und erntete Kritik von der Autismus-Community, weil Hudsons autistische Film-Halbschwester von einer nicht autistischen Schauspielerin verkörpert wurde. Immerhin: Kate Hudson erinnerte daran, dass sie singen und tanzen kann. 2024 veröffentlichte sie unter dem Titel «Glorious» endlich ihr erstes Album. «Es war höchste Zeit», sagte sie damals in einem TV-Interview. «Ich hatte einfach vorher den Mut nicht dazu. Nach Covid habe ich gedacht, wenn ich das jetzt nicht mache, habe ich etwas in meinem kreativen Leben verpasst.» 

Musik als roter Faden durchs Leben

Hätte sie nicht schon als 19-jährige Schauspielerin den Durchbruch als Rock-Groupie Penny Lane im Kultfilm «Almost Famous» geschafft, hätte sie vielleicht den Weg ins Musikgeschäft eingeschlagen. Musik zieht sich aber auch so wie ein roter Faden durch ihr Leben: Ihre beiden Oscar-Nominationen («Almost Famous», 2000; «Song Sung Blue», 2025) hat sie Filmen mit musikalischem Puls zu verdanken und ihr Privatleben ist von Beziehungen mit Männern aus der Musikbranche geprägt: Sechs Jahre war sie mit dem «The Black Crowes»-Leadsänger Chris Robinson verheiratet. Später war sie mit «Muse»-Frontman Matt Bellamy verlobt und seit zehn Jahren ist sie nun mit dem Musiker Danny Fujikawa zusammen. Aus den drei Beziehungen stammen ihre drei Kinder: Ryder Russell Robinson, 22, Bingham Hawn Bellamy, 15, und Rani Rose Hudson Fujikawa, 7. «Über die Liebe lernt man nie aus im Leben», reflektiert Kate Hudson. «Menschen und Situationen verändern sich. Akzeptanz ist ein grosser Aspekt einer Beziehung – auch die Akzeptanz der eigenen Fehler. Ich sehe auch an meinen Eltern, die ja schon ewig zusammen sind: Beziehungen sind ein Tanz, sie stagnieren nie.» Bereuen tue sie nichts. Sie beschreibt sich als Optimistin, vielleicht sogar als zu optimistisch. «Und je älter ich werde, desto weniger versuche ich anderen zu gefallen. Ich versuche realistisch zu sehen, was wirklich ist.» Und dann fügt sie noch bestimmt hinzu: «So oder so: Die grösste Liebe meines Lebens sind meine Kinder.» 

Ihnen will sie mitgeben, was sie von ihren eigenen Eltern gelernt hat, nämlich wie man trotz Privilegien auf dem Boden bleibt und seinen eigenen Weg findet. Sie und ihr Bruder Oliver Hudson, ein Schauspieler, und die beiden Halbbrüder Boston, ein Psychotherapeut, und Wyatt Russell, ebenfalls Schauspieler, hätten von ihnen Mitgefühl für andere Menschen und Ehrlichkeit gelernt: «Und sie gaben uns die Freiheit, uns selbst zu sein und Fehler zu machen. Sie belasteten uns nie mit irgendwelchen hohen Erwartungen. Deshalb sind wir auch heute noch alle sehr verbunden und verbringen viel Zeit miteinander.»

Coverbild © HFPA

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