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Corporate Social Responsibility Women

Die Frauen sind auf dem Vormarsch

16.07.2022
von SMA

Die Unternehmen in der Schweiz sollen mehr Frauen beschäftigen. Obschon die Vorteile einer besseren Geschlechterdurchmischung eigentlich auf der Hand liegen, musste der Bund mit einer Frauenquote konkrete Ziele für börsenkotierte Firmen setzen. Eine erste Auswertung zeigt nun: Die Lage bessert sich. Wenn auch eher langsam. Die KMU sind hier bereits weiter.

Es sind gute Nachrichten, welche die Consulting-Firma Russell Reynolds Associates im Mai dieses Jahres veröffentlichte. Gemäss ihrer Studie kämen Schweizer börsenkotierte Unternehmen mehrheitlich der neuen Prozentvorgabe des Bundes nach.

Diese Regelung wurde im Jahr 2020 eingeführt und besagt, dass grosse öffentliche Unternehmen einen Frauenanteil von 30 Prozent in ihren Verwaltungsräten erreichen müssen.

In der Geschäftsleitung wiederum wird ein Anteil von 20 Prozent gefordert. Werden diese Richtwerte nicht bis 2025 (Verwaltungsrat), respektive bis 2030 (Geschäftsleitung) umgesetzt, stehen die betreffenden Unternehmen in der Pflicht, in ihrem Vergütungsbericht die Gründe dafür aufzuzeigen sowie Massnahmen zur Verbesserung darzulegen.

Wo steht die Schweiz nun? Gemäss einem Artikel in der «NZZ» vom Mai dieses Jahres liegt der durchschnittliche Frauenanteil in den Verwaltungsräten der SMI-Firmen bei 34,1 Prozent. Das entspricht 4,4 Prozentpunkten mehr als noch vor einem Jahr. 2022 seien von 47 neu gewählten Verwaltungsratsmitgliedern 29 Frauen. So gut diese Entwicklung auch ist: Im internationalen Vergleich steht die Schweiz trotzdem bescheiden da.

Denn betrachtet man die europäischen Top-Indizes, weisen nur spanische Firmen mit durchschnittlich 33 Prozent einen tieferen Frauenanteil auf. Spitzenreiter ist Frankreich mit einem Frauenanteil von 45 Prozent, Deutschland liegt mit 37 Prozent nur knapp vor der Schweiz.

Die Kleinen liegen vorne

Natürlich ist die Schweiz vor allem ein Land der kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Aktuelle Zahlen, wie sich der Frauenanteil dort entwickelt, fehlen zwar.

Doch eine Studie des Schweizerischen Gewerbeverbands sowie dem Verband «KMU Frauen» aus dem Jahr 2019 gibt dennoch interessante Aufschlüsse.

Die Studie untersuchte die Jahre zwischen 2012 und 2017 und kam zum Schluss, dass Frauen immer mehr am Erwerbsleben teilnehmen und vermehrt verantwortungsvolle Positionen in KMU bekleiden.

Die Zunahme von Frauen in den Geschäftsleitungen sei in den letzten fünf Jahren mit 54,7 Prozent insbesondere in mittelgrossen Unternehmen frappant. Auf den Punkt gebracht: Die Kleinen machen den Grossunternehmen vor, wie Frauenförderung richtig gemacht wird.

Mehr Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen, ist für Unternehmen nicht nur möglich, sondern auch vorteilhaft.

Obschon der Begriff «Frauenförderung» an sich bereits falsche Assoziationen weckt. Denn er suggeriert, dass ein höherer Anteil weiblicher Mitarbeitenden vor allem den Frauen selbst zugutekäme. Dabei betonen Forschende, Personalcoaches sowie Unternehmensberater:innen immer wieder, dass besser durchmischte Teams für Unternehmen direkte betriebliche Vorteile mit sich bringen.

Nebst einer Erhöhung der Effizienz zählt eine verbesserte Kommunikationskultur sowie kreativeres Arbeiten zu den konkreten Vorzügen. Das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) macht es auf seinem KMU-Portal ebenfalls deutlich: Mehr Frauen in Führungspositionen zu beschäftigen, ist für Unternehmen nicht nur möglich, sondern auch vorteilhaft. Studien bestätigten, dass gemischte Teams kreativer und produktiver sind und damit den Erwartungen der Kundinnen und Kunden besser gerecht werden.

Darüber hinaus stehen Betriebe, die sich um einen höheren Frauenanteil bemühen, in den Augen potenzieller Mitarbeitenden besser da. Und um das Know-how der weiblichen Fachkräfte im Unternehmen zu halten, sei es wesentlich, Teilzeit-Opportunitäten anzubieten. Wer dazu in der Lage ist, so die Empfehlung des WBF, tue gut daran, zu handeln. 

Die Digitalisierung soll helfen

Noch immer geben viele Frauen die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben als einen der Hauptgründe für ihr Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt an. Und obschon zahlreiche Firmen mit flexibleren Arbeitszeit- und -platzmodellen diesbezüglich bereits Verbesserungen eingeleitet haben, gestaltet sich die Koordination im Alltag nach wie vor oft schwierig.

Hier wird grosse Hoffnung auf die Vorzüge der Digitalisierung gelegt. Die Coronapandemie hat aufgezeigt, dass Konzepte wie Homeoffice und mobiles Arbeiten keineswegs zu einer geringeren Produktivität und Effizienz führen müssen. Viele Berufsgruppen eignen sich für diese Art des Arbeitens hervorragend und durch die Entkoppelung von Arbeitsplatz und Arbeitsfunktion soll mehr Frauen der Einstieg, beziehungsweise die Rückkehr, ins Berufsleben ermöglicht werden.

Dies in der Schweiz zu fördern ist alles andere als ein wirtschaftliches Nice-to-Have: Der Fachkräftemangel grassiert in diversen Branchen und kein Land kann es sich leisten, für seine gut ausgebildete weibliche Bevölkerung arbeitsmarkttechnische Hürden zu errichten.

Das unterstreicht auch die Studie des Schweizerischen Gewerbeverbands: Den höchsten Frauenanteil finde man in Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden – denn die dort vorherrschenden flexiblen Strukturen begünstigen die Erwerbstätigkeit der Frauen.

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