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Mehr Immobilienwert durch Energieeffizienz

06.07.2026
von SMA

Der Druck zur Dekarbonisierung des Schweizer Gebäudeparks steigt spürbar. Strengere regulatorische Vorgaben und volatile Energiekosten rücken die Energieperformance von Immobilien ins Zentrum – mit direkten Auswirkungen auf Rendite, Betriebskosten und Marktwert. Wie sich daraus konkrete Chancen ableiten lassen, erläutern Esther Denzler (ED), Geschäftsleitungsmitglied von Equans Switzerland, und Carbon-Shift-Expertin Lara Schappacher (LS).

Lara Schappacher, Carbon-Shift-Expertin und Esther Denzler, Geschäftsleitungsmitglied

Frau Denzler, Frau Schappacher, wo setzt die Carbon-Shift-Initiative von Equans Switzerland konkret an?

LS: Im Kern geht es um drei Hebel: die Reduktion von Treibhausgasemissionen, die Optimierung des Stromverbrauchs und die Minimierung grauer Energie. Ausgangspunkt ist stets eine fundierte Analyse von Gebäudezustand, Energieflüssen sowie betrieblicher Anforderungen.

ED: Viele Eigentümer kennen einzelne Massnahmen, etwa Photovoltaik, Heizungsersatz oder Gebäudehülle. Der entscheidende Mehrwert entsteht jedoch durch deren intelligente Verknüpfung. Genau hier schaffen wir Orientierung und Systemlogik.

Wie geht Equans Switzerland ganz konkret an die Energieoptimierung einer Immobilie heran?

LS: Jedes Gebäude funktioniert anders, deshalb gibt es bei uns keine Standardlösungen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Systeme, um Energieverluste zu vermeiden. Wir arbeiten mit einem klar strukturierten Ansatz: kurzfristige Optimierungen ohne Investitionen, mittelfristige Massnahmen mit überschaubarem Aufwand sowie langfristige Eingriffe auf Systemebene, durch beispielsweise umfassende energetische Sanierungen.

Welche Rolle spielen dabei Digitalisierung, Daten und künstliche Intelligenz?

ED: Ohne belastbare Daten gibt es keine wirksame Optimierung. Regelmässige Messungen zu Nutzung, Temperatur sowie Wasser-, Strom- und Wärmeverbrauch sind hierfür zentral. Die Digitalisierung macht diese Daten vergleichbar und interpretierbar.

LS: Aufbauend darauf ermöglicht künstliche Intelligenz die Simulation und Bewertung von Varianten. Reporting und Controlling schaffen Transparenz und liefern Entscheidungsgrundlagen, die für Eigentümer unmittelbar wirtschaftlich greifbar sind.

Lässt sich dieses Vorgehen auch auf ganze Immobilienportfolios übertragen, etwa von institutionellen Investoren?

LS: Besonders bei grossen Portfolios zeigen sich Skaleneffekte. Datenbasierte Analysen machen sichtbar, wo der grösste Hebel liegt und welche Liegenschaften priorisiert werden sollten.

ED: Energiemanagement wird damit zu einem direkten Treiber der Portfolioperformance. Ineffizienzen schlagen sich letztlich in höheren Kosten, geringeren Renditen und steigenden Mieten nieder – mit entsprechenden volkswirtschaftlichen Konsequenzen.

Welche weiteren Vorteile ergeben sich daraus für Investoren und Eigentümer?

LS: Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten und steigender Energiepreise wächst das Bedürfnis nach Planungssicherheit. Ein strukturiertes Energiemanagement reduziert finanzielle Risiken und macht Kosten besser kalkulierbar.

ED: Gleichzeitig gewinnt der Werterhalt an Bedeutung. Nachhaltigkeitszertifizierungen wie BREEAM steigern die Attraktivität und Marktgängigkeit von Immobilien – insbesondere im internationalen Kontext und bei der Kapitalbeschaffung.

Was bedeutet eine solche Transformation für Eigentümer und Betreiber ganz konkret?

ED: Energiemanagement endet nicht mit der Umsetzung einzelner Massnahmen. Es ist ein kontinuierlicher Prozess aus Analyse, Monitoring und Optimierung – eng begleitet durch entsprechende Reporting-Strukturen.

LS: Neben technologischen Anpassungen erfordert dies auch organisatorische Veränderungen. Nutzerverhalten, Prozesse und Verantwortlichkeiten müssen auf die neuen Rahmenbedingungen abgestimmt werden, damit die Wirkung nachhaltig bleibt.

Mit welchen typischen Fragestellungen kommen Kundinnen und Kunden auf Sie zu?

ED: Unsere Hauptansprechpartner sind institutionelle Investoren. Für sie stehen Investitionsbedarf, Budgetplanung und Rendite im Fokus – weniger technische Detailkennzahlen. Entsprechend liefern wir Entscheidungsgrundlagen, die wirtschaftlich übersetzt sind, etwa Kosten pro eingesparter CO2-Tonne.

Gibt es Beispiele, an denen sich unterschied-liche Lösungsansätze gut aufzeigen lassen?

LS: Die Massnahmen variieren stark je nach Nutzung und Zustand. Bei Bestandsgebäuden steht oft die Energieversorgung im Fokus, während bei Neubauten die Feinjustierung von Steuerungen und Systemen im Vordergrund steht. Büroimmobilien verlangen flexible Lösungen aufgrund schwankender Auslastung, während bei Spitälern Betriebssicherheit oberste Priorität hat. Im Retail wiederum ist das Management von Lastspitzen ein zentrales Thema.

Zum Schluss ein Blick nach vorn: Welche Entwicklungen und Trends erwarten – oder erhoffen – Sie sich im Bereich Energieoptimierung und Dekarbonisierung von Gebäuden?

Die zunehmende Integration erneuerbarer Energien bringt neue Herausforderungen wie Netzstabilität und regulatorische Fragen mit sich. Gleichzeitig dürfte Energie für Nutzende finanziell stärker ins Gewicht fallen. Damit rückt Effizienz vom Nice-to-have zur wirtschaftlichen Notwendigkeit. Die zentrale Aufgabe bleibt, immer komplexere Energiesysteme intelligent zu steuern und wirtschaftlich tragfähig zu machen.

 

Weitere Informationen unter equans.ch

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