resilienz
Transport & Logistik Logistik Supply Chain Management

Resilienz – die Supply Chain widerstandsfähig machen

04.11.2021
von SMA

Widerstandsfähige Lieferketten sind für Logistikunternehmen überlebenswichtig. Investitionen in die Resilienz sorgen dafür, dass Störungen schnell behoben oder sogar vorausgesehen werden können. 

Der Begriff Resilienz wird definiert als «die Fähigkeit eines Systems, seinen ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, nachdem eine Störung beendet ist». Die Definition kann man auch auf eine Lieferkette herunterbrechen: Ist sie resilient, kann sie Störungen überwinden, indem sie sicherstellt, dass die Bestellungen trotz eventueller Zwischenfälle ausgeliefert werden.

Soweit die Begrifflichkeit. Doch wie ist es konkret möglich, eine resiliente Supply Chain zu schaffen? Zunächst wird durch eine logistische Diagnose der Marktzustand analysiert. Je nach Ergebnis können dann notwendige Veränderungen vorgenommen werden. Um eine solche Analyse sauber durchführen zu können, ist es zwingend nötig, dass innerhalb der Lieferkette ein vollständiger Datenaustausch zwischen allen Beteiligten möglich ist. Im besten Fall ist die Supply Chain digitalisiert und damit anpassungsfähiger.

Widerstandsfähigkeit und Erholung

Gemäss Fachleuten kann man die Resilienz einer Lieferkette im Wesentlichen auf zwei Punkte herunterbrechen: Die Widerstandsfähigkeit und die Erholung. Mit der Widerstandsfähigkeit einer Lieferkette ist gemeint, dass sie in der Lage ist, Störungen zu verzögern und damit vor allem die Auswirkungen auf das Produkt verringert werden können. Tritt ein Problem auf, gilt es in erster Linie, dieses so weit wie möglich zu überwinden. In einem zweiten Schritt werden dann Massnahmen ergriffen, um die Auswirkungen abzuschwächen.

Beim zweiten Punkt, der Erholung, kann man auch von der Wiederherstellungsfähigkeit einer Lieferkette gesprochen werden. Hier geht es darum, aufgrund einer Analyse die richtigen Entscheidungen zu treffen, um eine Störung zu überwinden. Dies gelingt, indem die Unternehmen, aus denen sich die Lieferkette zusammensetzt, zunächst eine Stabilisierungsphase durchlaufen, um dann zum Status quo zurückzukehren. Oder im besten Fall sogar noch bessere Ergebnisse zu erzielen.

Von Naturkatastrophen bis zu politischen Krisen

Das oben genannte Prinzip lässt sich auf alle Arten von Störungen anwenden. Seien es Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Pandemien, beispielsweise einer solchen, der wir aktuell ausgesetzt sind. Oder auch auf technologische Probleme, wie Cyber-Angriffe oder Datenverluste. Auch politische Faktoren können eine Rolle spielen, beispielsweise Handelskriege zwischen verschiedenen Ländern. Sobald die Lieferkette nicht mehr wunschgemäss funktioniert, spricht man von einer Störung. Kommt die Störung von ausserhalb des Unternehmens, also mit externem Ursprung, gilt das Problem als Unterbrechung der Supply Chain.

Das magische Resilienzdreieck

Wie ist es möglich, die Supply Chain gegen Störungen widerstandsfähiger zu machen? Hier kommt das sogenannte Resilienzdreieck ins Spiel, das Forscher der Universität Lissabon entwickelt haben.

Dieses Dreieck zeigt die Auswirkungen einer Unterbrechung in Abhängigkeit von der Schwere der Störung und der Erholungszeit aller an der Lieferkette Beteiligten. Je kleiner das Dreieck ist, desto grösser ist die Widerstandsfähigkeit des analysierten Unternehmens. Es zeigt auf, wie schwer die Störung tatsächlich ist – und vor allem, wie lange die Erholungszeit aller an der Lieferkette Beteiligten dauert. Analysiert man anhand dieses Dreiecks den Schweregrad, mit denen eine Supply Chain aufgrund einer Störung konfrontiert ist, lässt sich überprüfen, wie resilient diese ist. So können Massnahmen ergriffen werden, um die Lieferkette widerstandsfähiger zu machen. Ein Unternehmen, das den Strukturwandel in der Industrie und der Logistik überleben will, muss zwingend regelmässige Analysen durchführen.

Datenverluste verhindern

Die Gefahr, Daten zu verlieren, ist in der heutigen Zeit fast grösser als der Verlust des Materials selbst. So kann ein Datenleck die kompletten Vorgänge innerhalb einer Supply Chain lahmlegen. Entsprechende Software, um die gesamte Lieferkette zu synchronisieren, kann Abhilfe schaffen. Die Digitalisierung und gemeinsame Nutzung von Informationen durch alle Glieder der Lieferkette ist deshalb zwingend.

Mittlerweile werden auf dem Markt verschiedenste digitale Tools angeboten, anhand denen man die KPIs (Key Performance Indicators) eines Unternehmens oder einer gesamten Branche analysieren kann. Diese Kennzahlen ermöglichen es, die Prozesse über einen definierten Zeitverlauf zu beobachten und laufend Optimierungen vorzunehmen. Durch diesen Abgleich der Erfahrungen ist es auch möglich, allfällige Störungen vorherzusehen. So sollten die Aktivitäten der Konkurrenz und der Lieferanten sowie vor allem auch die Erwartungen der Kunden regelmässig untersucht werden.

Laufenden Anpassung der Prozesse 

Experten raten zudem, durch «Continuous Improvement» laufend auf Veränderungen im Umfeld und auf die Bedürfnisse des Marktes zu reagieren, um bestenfalls dabei auch die Kosten zu senken. Darunter versteht man die Umsetzung verschiedener Strategien zur Verbesserung und Optimierung von Prozessen, Produkten oder Dienstleistungen durch kleine Anpassungen aufgrund der laufenden Analyse der Prozesse und des Datenflusses. In erster Linie geht es darum, Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden – und damit im Optimalfall Störungen zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen.

Resilienz steigert den Unternehmenswert

Die Stärkung der Resilienz ist in den Unternehmen zwar ein wichtiges Thema, wird aber derzeit noch zögerlich umgesetzt. Grund dafür sind die hohen Investitionskosten, die zudem schwierig einzuschätzen sind und deshalb auch oft zurückgestellt werden. Eine Lieferkette, die aber nur auf Zusehen sicher ist, bedeutet auch ein hohes Risiko für die Firma und auch deren Kunden.

Im Umkehrschluss: Unternehmen, die über eine resiliente Supply Chain verfügen, Störungen voraussehen oder sogar einplanen und – trifft sie so unvorhergesehen ein wie die Corona-Krise – sich schnell wieder davon erholen, schaffen dadurch auch einen Marktvorteil, der die Umsätze verbessert und damit auch den Unternehmenswert steigert. 

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