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Das größte Steuerrisiko sitzt nicht im Finanzamt

08.07.2026
von SMA

Künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und neue ERP-Systeme verändern derzeit die Finanzfunktion vieler Unternehmen. Doch gerade im Steuerbereich stoßen zahlreiche Organisationen an Grenzen: Daten liegen in unterschiedlichen Systemen, Prozesse sind historisch gewachsen und regulatorische Anforderungen werden immer komplexer. Warum erfolgreiche Tax-Transformation weit mehr ist als die Einführung neuer Software und weshalb die Steuerfunktion künftig stärker strategisch mitgestalten muss, erläutern Fadi Ramadan, Partner und Head of Tax Transformation & Technology, sowie Marco Ehlert, Partner und Leiter Consulting bei Forvis Mazars.

Fadi RamadanPartner und Head of Tax Transformation & Technology

Fadi Ramadan
Partner und Head of Tax Transformation & Technology

Marco EhlertPartner und Leiter Consulting

Marco Ehlert
Partner und Leiter Consulting

Viele Steuerabteilungen arbeiten noch immer mit fragmentierten Prozessen, manuellen Routinen und historisch gewachsenen Systemlandschaften. Warum wird dieses Modell zunehmend zum Risiko?

Ehlert: Die eigentliche Herausforderung ist die wachsende Komplexität. Unternehmen arbeiten heute mit unterschiedlichsten Systemen, die oft über Jahre oder sogar Jahrzehnte entstanden sind. Gerade international tätige Organisationen müssen verschiedene regulatorische Anforderungen, Länderbesonderheiten und Datenquellen miteinander verbinden. Viele notwendige Modernisierungen wurden lange aufgeschoben. Das erhöht nicht nur den Aufwand, sondern erschwert auch die Einführung neuer Technologien. Gleichzeitig steigen die Datenmengen kontinuierlich. Ohne moderne Strukturen wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Forvis Mazars beschreibt Tax-Transformation als Entwicklung über mehrere Reifestufen hinweg. Woran erkennen Unternehmen, dass ihre Steuerfunktion technologisch nicht mehr zukunftsfähig ist?

Ramadan: Häufig zeigt sich das zunächst im Tagesgeschäft. Wiederkehrende Verspätungszuschläge, Probleme bei Betriebsprüfungen oder hoher manueller Aufwand sind klare Warnsignale. Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf bei neuen regulatorischen Anforderungen wie der globalen Mindestbesteuerung. Wer solche Themen heute noch überwiegend mit Excel lösen möchte, stößt sehr schnell an Grenzen. Deshalb unterstützen wir Unternehmen dabei, ein klares Zielbild zu entwickeln und den Transformationsweg in realistische Schritte zu übersetzen. Wir sprechen dabei von einem Target-Operating-Model. Erst wenn definiert ist, wie Prozesse, Organisation und Technologien künftig zusammenspielen sollen, lässt sich der Transformationsweg sinnvoll gestalten.

Viele Unternehmen investieren bereits in KI, obwohl Prozesse und Datenstrukturen noch nicht sauber aufgesetzt sind. Warum kann genau das zum Problem werden?

Ramadan: Weil KI keine strukturellen Defizite beseitigt. Viele Unternehmen erwarten schnelle Erfolge und setzen punktuell KI-Lösungen ein, ohne die Grundlagen geschaffen zu haben. Dabei braucht künstliche Intelligenz eine belastbare Datenbasis, klare Prozesse und eindeutige Verantwortlichkeiten. Fehlt dieses Fundament, bleiben die Ergebnisse oft hinter den Erwartungen zurück. Und gerade deswegen ist es wichtig, das Thema KI immer mit Datenqualität, Governance und Organisationsstrukturen zu verknüpfen. Erst dann kann die Technologie ihren eigentlichen Mehrwert entfalten.

KI kann große Datenmengen analysieren, Risiken erkennen, Anomalien identifizieren oder Prognosen unterstützen.– Marco Ehlert, Partner und Leiter Consulting

Rund um künstliche Intelligenz herrscht derzeit enormer Erwartungsdruck. Welche Rolle wird KI künftig in Steuerabteilungen spielen?

Ehlert: KI wird die Steuerfunktion grundlegend verändern. Dabei geht es weniger darum, bestehende Prozesse etwas schneller zu machen. Vielmehr entstehen völlig neue Arbeitsweisen. KI kann große Datenmengen analysieren, Risiken erkennen, Anomalien identifizieren oder Prognosen unterstützen. Gleichzeitig wird die Informationsflut in Unternehmen weiter zunehmen. Ohne intelligente Systeme wird es künftig kaum noch möglich sein, den Überblick zu behalten. Deshalb sehen wir KI als wichtigen Enabler für die Steuerfunktion der Zukunft. Entscheidend wird sein, KI steuerungsfähig und messbar einzusetzen.

Forvis Mazars verbindet Steuerberatung, Consulting und Technologiekompetenz. Weshalb greifen klassische Transformationsansätze heute häufig zu kurz?

Ramadan: Weil Steuerprozesse nicht in der Steuerabteilung beginnen. Steuerlich relevante Daten entstehen im Einkauf, im Vertrieb, im Rechnungswesen oder im Reporting. Wer ausschließlich auf die Steuerabteilung blickt, betrachtet lediglich einen Ausschnitt des Gesamtbildes. Erfolgreiche Transformation bedeutet deshalb, Prozesse über Abteilungsgrenzen hinweg zu verstehen und Datenflüsse ganzheitlich zu betrachten. Genau deshalb verbinden wir bei Forvis Mazars steuerliches Fachwissen mit Consulting-, Prozess- und Technologiekompetenz. In unseren Transformationsprojekten betrachten wir nicht nur einzelne Steuerprozesse, sondern die gesamte Wertschöpfungskette wie zum Beispiel die eingesetzten ERP-Systeme. Nur so entstehen nachhaltige Verbesserungen und belastbare Strukturen für die Zukunft.

Erfolgreiche Transformation bedeutet, Prozesse über Abteilungsgrenzen hinweg zu verstehen und Datenflüsse ganzheitlich zu betrachten. Genau deshalb verbinden wir bei Forvis Mazars steuerliches Fachwissen mit Consulting-, Prozess- und Technologiekompetenz.– Fadi Ramadan, Partner und Head of Tax Transformation & Technology

Gerade beim Einsatz von KI stellen sich Fragen nach Transparenz, Verantwortung und Nachvollziehbarkeit. Wo braucht Automatisierung aus Ihrer Sicht klare Grenzen?

Ehlert: Dort, wo steuerliche Entscheidungen getroffen werden, die rechtliche oder wirtschaftliche Konsequenzen haben. KI kann hervorragend recherchieren, Informationen strukturieren oder erste Analysen erstellen. Die finale Bewertung sollte jedoch beim Menschen bleiben. Wir sprechen hier vom Prinzip »Human in the Loop«. Das wird aus unserer Sicht dauerhaft notwendig sein. KI-Systeme können Fehler machen oder Halluzinationen erzeugen. Deshalb braucht es erfahrene Fachkräfte, die Ergebnisse einordnen und kritisch hinterfragen. Technologie ist ein sehr leistungsfähiges Werkzeug, ersetzt aber nicht Verantwortung.

Blicken wir fünf Jahre voraus: Woran wird man erkennen, dass ein Unternehmen seine Steuerfunktion erfolgreich transformiert hat – und woran, dass es den Anschluss verloren hat?

Ehlert: Erfolgreiche Steuerfunktionen werden deutlich stärker in Unternehmensentscheidungen eingebunden sein als heute. Sie werden als Business-Partner wahrgenommen und nicht nur als Compliance-Einheit. Gleichzeitig werden harmonisierte Daten, Echtzeit-Reporting und moderne Analysefähigkeiten zum Standard gehören. In diesen Teams arbeiten künftig nicht nur Steuerexperten, sondern auch Datenanalysten, Technologieexperten und KI-Spezialisten. Die Steuerfunktion entwickelt sich damit vom reinen Kontroll- und Kostenfaktor zunehmend zum Wertstifter für das Unternehmen.

Ramadan: Zudem wird sich der Erfolg sehr konkret messen lassen. Unternehmen werden weniger Zeit für Routinetätigkeiten benötigen, Risiken früher erkennen und Prozesse deutlich effizienter steuern. Steuerfunktionen können nicht mehr nur auf regulatorische Anforderungen reagieren, sondern aktiv Mehrwert für die Organisation schaffen. Genau daran lässt sich erkennen, ob eine Transformation gelungen ist.

Weitere Informationen unter:
forvismazars.com

Logo Forvis Mazars

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