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Bling-Bling-Deals

22.06.2022
von SMA

Heutzutage sind Anlagegeschäfte gar via Online-Glücksspielplattformen möglich. Aber damit steigt auch das Sucht- und Gefahrenrisiko.

Digitale Blumensträusse, farbenfrohe Ballons und blinkende Lichter sind bei Online-Spielen oder bei Glückspiel-Apps selbstverständlich, nicht aber bei Online-Trading-Apps. Diese nutzen jedoch immer häufiger das Look and Feel von Videogames, um in Zeiten negativer Sparzinsen möglichst breite Bevölkerungsschichten zu erreichen.

Angesichts der Tatsache, dass 15,5 Prozent der 25-34-jährigen und 13,3 Prozent der 16-24-jährigen Männer bereits in irgendeiner Form eine Kryptowährung besitzen, macht das kunterbunte Game-Design umso mehr Sinn. Das Verschwimmen der Grenzen zwischen Online-Glücksspiel und Online-Handel schafft zwar ein immenses Potenzial für neue Einnahmen, lässt aber auch die Suchtgefahr steigen.

Fokus auf Online-Handel

«Die Generation, die mit sozialen Medien aufgewachsen ist, ist besonders empfänglich für die visuellen Eindrücke dieser Apps», sagte Christian Ingold, Leiter von Radix Zürich, einem Präventionszentrum für Verhaltenssüchte, kürzlich in einem Interview mit finews.com.

Unerwartet hohe Gewinne wecken beim Trader den Drang, seinen Erfolg zu wiederholen.

Ingold hat bei seiner Aufklärungsarbeit über die Gefahren von Glücksspielen und zunehmend auch des Online-Handels einen besonderen Fokus auf diese Gruppe gelegt: «Wir gehen davon aus, dass wir diese Gruppe in nicht allzu ferner Zukunft vermehrt sehen werden, sobald sich die ersten Schulden auftürmen.»

Ruf nach Trader-Schutz

Unerwartet hohe Gewinne wecken beim Trader den Drang, seinen Erfolg zu wiederholen: «Von da an steigt der Druck, es noch einmal zu versuchen und einen grösseren Einsatz zu tätigen», sagt Ingold.

Da immer mehr Menschen via ihr Handy traden, wünscht sich Ingold, dass die Finanzaufsichtsbehörden dem Schutz von Online-Händlern den gleichen Stellenwert einräumen, den Casinos dem Schutz von Spielern einräumen, etwa durch den Einsatz von Instrumenten zur Überwachung und Kennzeichnung von Verhalten und Aktivität. Schweizer Lösungen wären zwar ein erster Schritt, lassen aber internationale Trading-Plattformen aussen vor.

Und seit der Online-Handel zum Mainstream wurde, ist es nur logisch, dass auch traditionelle Banken weniger komplizierte Bankdienstleistungen mit Optionen für Investitionen in Aktien, Fonds oder Kryptowährungen online anbieten – Deals mit oder ohne Bling-Bling, sozusagen.

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