Albträume, Atemnot und unruhige Beine: Wie Schwangere wieder besser schlafen
Schlaf ist eine Frage der Hormone. Dass er sich verändert, wenn eine Frau schwanger wird, erscheint vor diesem Hintergrund als simpler Zusammenhang. Doch nur über Melatonin zu sprechen, wenn es um die Nächte Schwangerer geht, ist zu kurz gegriffen.
Laut Frauenärztin Dr. Petra Cassel und Diplompsychologe Werner Cassel verläuft Schlaf periodisch, in einem Rhythmus von etwa anderthalb Stunden. Unter Laborbedingungen beginnt jede dieser Perioden mit zwei Leichtschlafphasen und einer Tiefschlafphase. Anschliessend beginnt die Phase des «Rapid Eye Movement» (REM), während derer sich die Augen unter den Lidern schnell bewegen. Denn diese Phase ist der Raum für Träume.
Wie die Traumwelt sich über die Trimester verändert
In der Schwangerschaft verändert sich das Traumerleben sowohl in seiner Intensität als auch thematisch. Was die erträumten Motive betrifft, unterscheidet die deutsche Krankenkasse «BIG direkt gesund» zwischen den Schwangerschaftstrimestern. So sieht sie in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft vor allem Symbole der Fruchtbarkeit und Empfängnis wie Obst, Blumenwiesen oder besonders grosse und schöne Gebäude im Fokus. Letztere erwähnt auch Frauenärztin Dr. Jael Backe als häufig von Schwangeren erwähntes Traummotiv.
Das zweite Trimester ist laut «BIG direkt gesund» geprägt von Themen wie Erotik, vergangene Partnerschaften oder Untreue. Laut Psychotherapeutin Dr. Katrin Leonhardsberger-Hofer berichten Schwangere andererseits auch von Tieren und Tierbabys, die ihre Traumwelt prägen. Diese repräsentieren ihrer Einschätzung nach in der früheren Schwangerschaft Embryo und Fötus. Letzterer nehme später auch im Traumerleben tendenziell menschliche Gestalt an.
Ebenfalls im dritten Trimester sieht die BIG-Redaktion viele Schwangere, die unter Albträumen leiden. Erfahrungsberichte auf urbia.de, nach eigener Einschätzung «Deutschlands größte Familien-Community», bestätigen diese Tendenz, auch wenn sie sich nicht explizit auf die Spätschwangerschaft beziehen. So schreibt zum Beispiel angelamoore: «Ich träume ständig, dass ich schwanger bin und Alkohol trinke, rauche,[ ]Drogen nehme, in irgendwelchen Kneipen mit dubiosen [G]estalten rumhänge und die Beziehung mit meinem Freund in die Brüche geht.»
Eine echte Behandlungsmöglichkeit für werdende Mütter sieht die «BIG direkt gesund» in Bezug auf das Albtraumerleben nicht, empfiehlt aber, mit vertrauten Personen, einer Hebamme oder medizinischem Personal, beispielsweise in einem Schwangerschaftskurs, über die belastenden Träume zu sprechen.
Nächtliche Atemprobleme halten die Schwangere wach
Neben dem Traumerleben treten in der Schwangerschaft einige körperliche Symptome auf, die den entspannten Schlaf verhindern. Verschiedene Quellen nennen hier Atemprobleme an vorderster Front. So sprechen Orth, Schäfer und Rasche in ihrem Artikel «Schlafbezogene Atmungsstörungen und Schwangerschaft» von bis zu 30 Prozent der Schwangeren, die unter dem Phänomen leiden. Verantwortlich machen sie dafür Veränderungen des Rachens und des Brustkorbs sowie den erhöhten Progesteronspiegel.
Um das Atmen zu erleichtern, liefert die Schweizer Krankenversicherung CSS einige Tipps:
- Oberkörper etwas höher lagern
- Auf genügend Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer achten
- Sport, am besten an der frischen Luft
- Tief in den Bauch atmen und regelmässig Atemübungen machen
Aber auch wenn der Atem beruhigt ist, kämpfen viele Schwangere des Nachts mit einer weiteren Körperregion.
Wenn die Beine nicht zur Ruhe kommen
Männer kennen es, Frauen kennen es verstärkt und bis zu 20 Prozent der Schwangeren leiden darunter: Die Rede ist vom Restless-Legs-Syndrom (RLS). Maria-Lucia Muntean und Claudia Trenkwalder von der Paracelsus-Elena Klinik in Kassel sowie Michael Bartl von der Universitätsmedizin Göttingen beschreiben diese neurologischen Beschwerden so: «It is characterized by an urge to move the legs, often accompanied by unpleasant feelings.» Dieser Drang trete insbesondere in Entspannungssituationen auf und steigere sich in der Nacht.
Dass das RLS verstärkt in der Schwangerschaft vorkommt, führen die Forschenden auf eine Veränderung der Blutwerte zurück. So sei gezeigt worden, dass unter nicht schwangeren Frauen diejenigen stärker zum RLS neigen, die Östrogenpräparate einnehmen oder unter Eisenmangel leiden. Da in der Schwangerschaft der Östrogenspiegel steigt und der Fötus viel Eisen benötigt, das gegebenenfalls der Mutter fehlt, könnte hier eine Erklärung dafür liegen, dass insbesondere Schwangere häufig mit unruhigen Beinen zu kämpfen haben.
Um das RLS in den Griff zu bekommen, empfehlen sie daher, sich zusätzlich mit Eisen zu versorgen. Neben entsprechenden Präparaten eignen sich laut dem DRK-Blutspendedienst vor allem folgende Lebensmittel als Eisenquellen:
- Nüsse und Saaten
- Trockenfrüchte
- Grünes Blatt- und Wildgemüse
- Hülsenfrüchte
- Getreide und Pseudogetreide
- Fleisch und Wurst
- Pfifferlinge
- Austern und Miesmuscheln
- Eigelb
Insbesondere in Bezug auf die tierischen Lebensmittel ist es aber notwendig, sich eingehend mit der Wirkung auf das ungeborene Kind zu befassen, um gefährliche Infektionen zu vermeiden. Gerade rohe Lebensmittel stellen hier laut Expertenbericht der Eidgenössischen Ernährungskommission einen Risikofaktor dar.
Gelassenheit dem Schlaf gegenüber
Schlafmangel kann zu einer massiven Belastung werden. Häufig neigen wir jedoch dazu, unruhigen Schlaf als Gefahr zu betrachten. «Dadurch», beschreiben Cassel und Cassel, «geht die Gelassenheit gegenüber dem Schlaf verloren und es entwickelt sich eine ängstlich angespannte Haltung zum Schlaf.» Sofern der Leidensdruck unter den nächtlichen Kindsbewegungen, Uteruskontraktionen und häufigem Harndrang selbst also nicht allzu gross ist, ist der Trick, diese kleineren Schlafstörungen schlicht kommen und gehen zu lassen.
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