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Sicher wandern am Berg

06.04.2022
von Elma Pusparajah

Die Wanderwege der Schweiz sind beliebt. Jedoch lauern auf diesen Wegen auch Risiken und zunächst unwesentliche Umstände können einen ernsten Vorfall auslösen. Deshalb sollte jede:r Wandernde potenzielle Bedrohungen sowie entsprechende Handlungsempfehlungen kennen.

In der Schweiz steht ein Wanderwegnetz von über 65 000 Kilometern für Wanderliebhaber:innen zur Verfügung, welches von 57 Prozent der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren sowie zahlreichen Tourist:innen genutzt wird. Die Anforderungen der unterschiedlichen Wegkategorien variieren jedoch erheblich: Pfade der Kategorie «Wanderwege» sind gelb markiert und stellen ausser der gewöhnlichen Aufmerksamkeit und Vorsicht keine besonderen Ansprüche an die Benützer:innen. Wegweiser von Bergwanderwegen haben eine weiss-rot-weisse Spitze und verlangen nach Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und Fitness. Ausserdem sollten Wandernde die Gefahren im Gebirge kennen und über eine angemessene Ausrüstung verfügen.

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Rettung im Schnee: Ein Helikopter der Rega im Einsatz einer alpinen Bergrettung. Quelle: adobe

Auf Alpinwanderwegen weisen blaue Wegweiser mit weiss-blau-weisser Spitze den Weg. Hier müssen Benützer:innen in besonders guter körperlicher Verfassung sein und manchmal auch spezielle Ausrüstung wie Seile oder Steigeisen mitführen. Der Unterschied der Schwierigkeitsgrade der drei Kategorien wird von Wandernden oftmals unterschätzt. In manchen Fällen führt diese Missdeutung in Kombination mit weiteren Faktoren zu einem Unfall.

Zudem erfüllen die Wandernden laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU die Voraussetzungen für eine sichere Bergwanderung nicht immer. Der BFU-Status 2021 belegt, dass im Durchschnitt jährlich 29 500 (Berg-)Wandernde verunfallen. Um derartige Notsituationen zu vermeiden, sollten sich die Menschen vor ihrem Ausflug daher informieren und evaluieren, ob sie für die geplante Wanderung in der Schweizer Natur fit genug und vorbereitet sind.

Risiken beim Bergwandern

(Berg-)Wanderunfälle sind überwiegend Stürze und Abstürze, die durch Stolpern, Ausrutschen oder Verlieren des Gleichgewichts ausgelöst werden. Dies besagt auch die Statistik des Schweizer Alpen-Clubs SAC, denn 2020 waren die meisten Ursachen für Notfälle in den Bergen Stürze, gefolgt von Blockierungen der Bergsportler:innen. Zusätzlich mögliche Risikofaktoren sind Erkrankungen, Steinschläge sowie zahlreiche weitere Einflüsse.

Zugleich sollten die Fähigkeiten der Wandernden beim Beurteilen der Risiken miteinbezogen werden. Denn Faktoren wie ungenügende Vorbereitung, unrealistische Selbsteinschätzung, Wahl einer zu schwierigen Route, unpassende Ausrüstung oder zu wenige Pausen während des Laufens können in gewissen Fällen zu Notsituationen führen. Endet die Wanderung dann in einem Unfall, ist häufig eine Mischung aus Umständen der Grund dafür. Dabei ist die Ausgangssituation für jeden Unfall eine andere. Die BFU nennt die Überforderung als einen häufig unterschätzten Risikofaktor. Dies ist der Fall, wenn die Route für Wandernde zu anspruchsvoll ist.

Man sollte Informationen über die Anforderungen von möglichen Wanderungen einholen, seine eigenen Fähigkeiten richtig und ehrlich einschätzen und dann eine passende Route wählen.  Monique Walter, Beraterin für Sport und Bewegung bei der BFU

Rettung anfordern

Im Falle eines Unfalls sollten Bergwandernde wissen, wie zu handeln ist. Wenn möglich, sollten die Anwesenden den Rettungsdienst alarmieren. Eine Notfall-App ist dabei enorm hilfreich; man muss sich keine Telefonnummern merken und kann direkt mit der Applikation den Notfall melden. Gewisse Apps, wie die der Rega, übermitteln zudem den Standort des Smartphones, damit die Verunglückten schnellstmöglich gefunden werden können. Ansonsten können Betroffene die internationale Notrufnummer 112 oder die Rega unter der Nummer 1414 anrufen. Dabei funktioniert die erstere auch in einem Funkloch oder wenn das Mobiltelefon gesperrt ist.

Geht der Notruf über 1414 oder die App, wird die Helikopter-Einsatzzentrale der Rega alarmiert. Die Einsatzleitenden sammeln die wichtigsten Informationen über den Unfall sowie deren Beteiligten und disponieren die benötigten Mittel der Rega und deren Partnerorganisationen. Dabei stehen sie in permanentem Kontakt mit den Rettungskräften. Jeder Einsatz ist, aufgrund der Witterung, des Geländes oder des Unfallverlaufs, stets unterschiedlich.

Im Fokus steht dabei die möglichst rasche Bergung der Verunfallten, die medizinische Grundversorgung zu leisten und sie für den Transport zu stabilisieren. Theo Maurer, Leiter Einsatz Alpine Rettung Schweiz

Kann der Helikopter wetterbedingt nicht fliegen oder befinden sich die Verletzten in einem schwer zugänglichen Gebiet, werden die Rettungskräfte des Schweizer Alpen-Clubs SAC aufgeboten, die zu Fuss zur Unfallstelle gehen. Diese leisten Erste Hilfe und transportieren anschliessend die Betroffenen möglichst schnell bis zu einer Strasse, an welcher eine Ambulanz diese übernimmt und in ein geeignetes Spital bringt. Bei medizinischen Notsituationen muss der Bergrettungsdienst rasch handeln, wie bei Herz-Kreislaufproblemen oder Blutverlust der verunfallten Person. Deshalb ist die Verkürzung der Interventionszeit und Vereinfachung des Aufgebots wichtig für die Rettungskräfte und -organisationen.

Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen

Bei einem Vorfall sollten sich die Betroffenen sofort einen Überblick verschaffen. Sie sollen zunächst feststellen, welche Gefahren noch bestehen, wer die Opfer sind und ob sie allenfalls Nothilfe leisten müssen. Leiden die Verunglückten an Bewusstlosigkeit, Herzproblemen oder starken Blutungen, muss schnell gehandelt werden.

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Alpine Bergrettung: Mit dem Helikopter können Verunfallte z.T. an der Unfallstelle geborgen und in den Helikopter geladen werden. Quelle: adobe

Alle Beteiligten sollten sich in Sicherheit bringen und Verletzte vor Witterung und Kälte schützen. Die Anwesenden können andere Wandernde, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, mit Rufen oder Pfeifen auf sich aufmerksam machen. Sie können dabei auch das allgemeine Notsignal benutzen, wobei sie sechsmal pro Minute ein akustisches oder optisches Zeichen abgeben. Um eine sichere (Berg-)Wanderung ohne Unfälle zu unternehmen, ist es ratsam, diese nicht allein durchzuführen und stets Drittpersonen über die geplante Route zu informieren.

Verantwortung und Haftung beim Wandern

Die Wanderwege sind grundsätzlich in eigener Verantwortung zu begehen. Dennoch schreibt das Bundesgesetz für Fuss- und Wanderwege FWG vor, dass jegliche Pfade «möglichst gefahrlos» begehbar sein müssen (Art. 6 Abs. 1 Bst. b.). Die Pflicht für die öffentliche Hand, also den Kanton oder die Gemeinden, die für die Sicherung der Wander-, Bergwander- sowie Alpinwanderwege verantwortlich ist, beschränkt sich jedoch lediglich auf Gefahren, die atypisch für die jeweiligen Wege sind.

Deshalb kann die öffentliche Hand nicht für jeden Unfall haftbar gemacht werden. Hierbei geht es um die Verkehrssicherungspflicht, welche die Schutzpflicht der Verantwortlichen ist, deren Handlungen und Umstände zu Schäden führen könnten.

Des Weiteren, erklärt Pietro Cattaneo, Projektleiter beim Verband Schweizer Wanderwege: «Wer einen Gefahrenzustand herbeiführt, ist verpflichtet, alle notwendigen und zumutbaren Schutzvorkehrungen zu ergreifen, um die Schädigung Dritter zu vermeiden. Dies gilt auch bei Planung, Bau, Unterhalt und Signalisation von Wanderwegen.»

Zudem gilt zu berücksichtigen, dass Wandernde in einem geringen Fortbewegungstempo unterwegs sind, und somit in der Lage sein sollten, typische Geländeschwierigkeiten zu erkennen und diese zu vermeiden. Denn die Wanderwege können von Natur aus unebene und unbefestigte Oberflächen aufweisen, was den Wandernden bewusst sein sollte. Bei Unfällen auf dem offiziellen Wanderwegenetz wird deshalb neben dem Unfallhergang auch die Situation des Weges beurteilt.

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Die wichtigsten Tipps beim Bergwandern

Wanderung sorgfältig planen

Schwierigkeit (Wegkategorie) und körperliche Anforderungen, Zeitbedarf, Fähigkeiten der Wandergruppe, Wegverhältnisse und Wetter berücksichtigen.

Wer allein unterwegs ist, informiert eine Drittperson.

Passende Ausrüstung wählen

Feste Wanderschuhe mit griffigem Profil, warme und wetterfeste Kleidung, Sonnenschutz, Karte, Proviant, Notfallapotheke, Rettungsdecke und aufgeladenes Mobiltelefon mit Power Bank sind immer dabei.

Unterwegs aufmerksam bleiben

Regelmässig Pausen machen, trinken und essen. Zeitplan, Wetter, Wegverhältnisse und Verfassung der Wandergruppe beobachten. Im Zweifelsfall rechtzeitig umkehren oder eine Alternativroute wählen.

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