Während halb Europa über das «Kraftwerk der Zukunft» diskutiert, hat eine Firma aus Aarau aus einer unbequemen Frage ein Geschäftsmodell gemacht. Ihr grösster Vorteil: Sie besitzt keine einzige eigene Batterie. Was nach Verzicht klingt, ist die ganze Pointe.
Die Frage, die sich alle zu spät stellen
Irgendwann stellt sie sich allen, die eine Batterie, eine Photovoltaikanlage oder eine flexible Last besitzen: Wem gehört eigentlich der Erlös, den die Anlage am Regelenergie- oder Spotmarkt verdient? Und noch unbequemer: Wessen Batterie wird zuerst vermarktet, wenn der Aggregator zufällig auch eigene Speicher im Pool hat?
Bei der Virtual Global Trading AG (VGT) ist die Antwort kurz: Der Erlös gehört den Besitzern. Immer.
Die 2018 gegründete Firma mit 36 Mitarbeitenden betreibt eine Softwareplattform für die Energiewirtschaft und bündelt als technischer und kommerzieller Aggregator die Flexibilität ihrer Partner. Übersetzt: VGT bringt fremde Anlagen an den Markt, steuert sie netzdienlich und rechnet bis auf den einzelnen Datenpunkt ab. Was VGT bewusst nicht tut: eigene Speicher, eigene Photovoltaik oder eigene Kraftwerke betreiben.
«Wir besitzen keine eigenen Flexibilitätsanlagen. Das ist kein Zufall, sondern Programm.» Denn ein Aggregator ohne eigenes Portfolio hat genau ein Interesse: das Maximum für die Anlage der Kundschaft herauszuholen. Es gibt keinen zweiten Topf, in den die besten Gebote zuerst wandern.
Neutralität ist keine Marketingfloskel, es ist Mathematik
Der Schweizer Regelenergiemarkt funktioniert über Ausschreibungen. Swissgrid, die nationale Netzgesellschaft, schreibt die benötigte Leistung aus, Anbieter bieten, ein Algorithmus wählt nach dem günstigsten Preis aus. Wer den Zuschlag erhält, hält Leistung bereit und wird allein dafür vergütet, dass er sie vorhält, auch wenn sie nie abgerufen wird. Kommt es zum Abruf, gibt es zusätzlich den Arbeitspreis. Man verdient also doppelt: für die Bereitschaft und für den Einsatz.
In diesem Spiel zählt jede vorgehaltene Kilowattstunde. Und hier wird Neutralität konkret. Ein Aggregator, der gleichzeitig eigene Speicher vermarktet, muss in jeder Ausschreibung entscheiden, welche Anlage er bevorzugt. Diesen Konflikt kennt VGT nicht. Alle Anlagen im Pool werden nach demselben Prinzip optimiert: nach dem besten erzielbaren Erlös für ihren jeweiligen Eigentümer. Kein Hochglanzversprechen, sondern simple Folge davon, dass im Pool keine VGT-eigene Batterie steht, die zuerst bedient werden will.
Für die Partner ergibt das eine seltene Konstellation: Sie arbeiten mit einem Spezialisten zusammen, der ihnen am Markt nie zum Konkurrenten wird. VGT bringt die Anlagen an den Markt, nicht sich selbst.
Der Markt hat gerade seine Türen geöffnet
Bislang war der Regelenergiemarkt ein Klub für Grosse. Wer mitbieten wollte, musste mindestens fünf Megawatt anbieten, eine Hürde, die kleinere Anlagen aussperrte. Das ändert sich. Swissgrid senkt die Mindestgebotsmenge von fünf auf einen Megawatt, ausdrücklich, um auch kleineren Produzenten und neuen Technologien wie Batteriespeichern und bidirektionalen Elektrofahrzeugen den Zugang zu öffnen.
Der Grund ist die Energiewende selbst. Mit dem rasanten Zubau von Photovoltaik schwankt die Stromproduktion stärker, und Swissgrid muss diese Schwankungen in Echtzeit ausgleichen. Heisst: Flexibilität wird laufend wertvoller. Die Speicherwasserkraft bleibt zwar die wichtigste Regelenergielieferantin der Schweiz, aber Solar, Batterien und Elektrofahrzeuge holen auf. Bei genau diesen Pooling-Modellen gilt Swissgrid europaweit als Vorreiterin.

Wer mitmachen kann (und das sind nicht nur Energieversorger)
Hier liegt das Missverständnis, das viele teuer bezahlen: Der Regelenergiemarkt ist keine Spielwiese der Stromkonzerne mehr. Wer Flexibilität besitzt oder finanziert, kann teilnehmen. VGT ist eine reine B2B-Plattform und richtet sich an alle, die an den Markt wollen:
– Energieversorger und Netzbetreiber, die ihren Kunden eine neue Erlösquelle eröffnen wollen
– Installateure, für die der Speicher künftig nicht beim Verkauf endet, sondern beim Kunden weiterverdient
– Pensionskassen und institutionelle Investoren, die Batteriespeicher als Infrastruktur-Asset finanzieren und einen kalkulierbaren Cashflow suchen
– Industrie und Gewerbe mit eigenen Speichern, flexiblen Lasten oder Notstromanlagen
Gerade für institutionelle Investoren ändert die gesenkte Eintrittshürde die Rechnung: Ein Batterieportfolio, das bisher nur Kosten sparte, wird zum aktiven Ertragsasset. Aus «ich spare» wird «ich verdiene».
Was eine 10-kW-Batterie im Keller mit einem 1-MW-Speicher gemeinsam hat
Das Schöne an der Mathematik der Flexibilität: Sie skaliert. Ein modular erweiterter Heimspeicher von 10 kW / 20 kWh amortisiert die Erweiterung in rund drei bis vier Jahren. Ein 50-kW-Speicher erzielt je nach Marktlage 5000 bis 10 000 Franken pro Jahr, ein 100-kW-System das Doppelte bis Dreifache. Bei einem System mit 1 MW / 2 MWh sind 100 000 bis 250 000 Franken pro Jahr realistisch, in Spitzenjahren mehr.
Diese Zahlen sind bewusst konservativ gerechnet. Wer es genau wissen will: Swissgrid publiziert die Ergebnisse jeder Ausschreibung für Primär-, Sekundär- und Tertiärregelleistung öffentlich. Nachrechnen ist ausdrücklich erwünscht.
Der eigentliche Hebel liegt aber nicht in der einzelnen Anlage, sondern im Pool. Ein dezentral verteilter Verbund vieler kleiner und mittlerer Flexibilitäten verdient nicht nur am Regelenergie- und Arbitragemarkt, er wirkt auch netzdienlich. Eine Batterie, die klug am richtigen Netzknoten sitzt, kann teuren Netzausbau ersetzen, statt ihn zu verursachen.
Eine Plattform, zwei Prinzipien: Der Kunde behält die Kontrolle
VGT betreibt im Kern zwei Dinge, die zusammengehören, aber sauber getrennt sind.
Das erste ist das Flexibilitätsmanagement. Das Herzstück bildet ein Gerätemanager, der praktisch jede Anlage und jedes bestehende Energiemanagementsystem anbindet, unabhängig von Hersteller, Typ oder Kommunikationsprotokoll. Ob Batteriespeicher, Photovoltaik, Wärmepumpe oder Ladestation, ob bereits vorhandenes Steuerungssystem oder Einzelgerät: Die Plattform spricht die passende Sprache und macht die Anlage mit wenig Aufwand marktbereit. Darauf setzt die intelligente Optimierung auf, die die verfügbare Leistung über die verschiedenen Anwendungsfälle hinweg dirigiert, von der Eigenverbrauchsoptimierung über Peak-Shaving und Bilanzgruppenoptimierung bis zu Arbitrage und Regelenergie. Trading, Risiko und Abrechnung übernimmt VGT als Plattformbetreiber, inklusive der Risikoübernahme gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber.
Das zweite ist die Kundenplattform: ein Portal mit Modulen, mit denen Energieversorger ihre eigene Kundenbeziehung digitalisieren, vom Energieeffizienztool über Vertragsmanagement nach dem Prinzip «Data Point to Cash» bis zum Price-Monitor für Grosskunden.
Und hier kommt das entscheidende Wort: White Label. Es gilt für beide Welten. Der Partner baut darauf seine eigene Plattform, im eigenen Design, unter der eigenen Marke. Nach aussen sieht der Endkunde seinen Energieversorger oder Installateur, nicht VGT. Die Technologie stellt VGT, die Marke und die Kundenbeziehung gehören dem Partner. Das ist die Umkehrung der üblichen Plattformlogik: Nicht der Plattformbetreiber besitzt den Kunden, sondern der Partner.
Den Kreis schliesst das integrierte Marketingtool. Damit betreibt der Partner direkt aus der Plattform heraus Akquise: Besitzt ein Portalkunde eine Batterie oder PV-Anlage, lässt sich ihm die Vermarktung am Regelenergiemarkt mit wenigen Klicks als Zusatzangebot vorschlagen, neutral abgewickelt von einem Aggregator ohne Eigeninteresse.
Wer macht eigentlich was?
Die Rollenverteilung ist bewusst nüchtern. Der Partner installiert die Anlage, informiert seine Kunden und meldet sie an. Der Endkunde gibt seine Zustimmung. VGT kümmert sich um Handel, Risiko, Abrechnung und die ganze regulatorische Komplexität dahinter, und davon gibt es reichlich: Wer Anlagen hinter dem Zähler bündelt, koordiniert Verteilnetzbetreiber, Energielieferanten, Bilanzgruppen, Regulatoren und Swissgrid, jeden mit eigenen Datenformaten und Meldepflichten.
Besonders elegant läuft es bei kleinen Anlagen unter 100 Kilowatt. Der Installateur meldet sich über die Website an, bestätigt den Partnervertrag digital und lädt seine Endkunden per Maillink ein. Er trägt die Anlage ein und bestellt das Gateway, das VGT vorkonfiguriert und per Post zuschickt. Einstecken, Status prüfen, fertig, die Anlage ist marktbereit. Vom ersten Klick bis zur vermarktbaren Flexibilität vergeht wenig Zeit, ohne Papierkram und ohne technisches Spezialwissen beim Partner.
Die Software für das Netz von 2050
Die VGT-Plattform verbindet, was bislang in getrennten Systemen lag: die technische und kommerzielle Aggregation von Flexibilität, ein White-Label-Kundenportal und die saubere Abrechnung jedes Datenpunkts, alles in einer durchgängigen Lösung. Von der angebundenen Anlage bis zum vermarkteten Erlös läuft alles über eine einzige Plattform, ohne Systembruch.
Vor allem aber ist sie für das gebaut, was kommt. Die Energiestrategie 2050 verlangt eine Software, die mehr kann, als eine einzelne Anlage zu steuern: Bilanzgruppen optimieren, netzdienliche Eingriffe an den richtigen Knoten koordinieren und vieles mehr verarbeiten. Genau diese Bausteine sind angelegt. So entsteht aus vielen einzelnen Anlagen ein intelligentes, vernetztes Ganzes und VGT übernimmt die Komplexität im Hintergrund.
Es war noch nie so einfach, am Markt von morgen teilzunehmen. Die einzige Frage, die bleibt, ist die vom Anfang: Wem soll der Erlös der Anlage gehören?
Virtual Global Trading AG
Obere Vorstadt 40, 5000 Aarau
info@vgt.energy
www.vgt.energy
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