Mit dem Microlino setzt die Familie Ouboter auf die radikale Verkleinerung des Autos – und legt sich damit mit der Autoindustrie und der Politik an. Im Interview sprechen Wim Ouboter, Gründer und CEO, und seine beiden Söhne Oliver und Merlin über die Elektrifizierung des Verkehrs, den nächsten Mobilitätstrend und den Kampf um faire Rahmenbedingungen.
Was ist eigentlich ein Microlino?
Wim: Es ist ein Podcar, ein kleiner elektrischer Personenwagen – oder eben ein perfekter Autoersatz für zwei Personen, wettergeschützt für alle täglichen Kurzstrecken unter 40 km. Das sind rund 90 Prozent aller Fahrten, bei einer maximalen Geschwindigkeit von bis zu 90 km/h. Eigentlich die ideale Lösung für einen kleineren CO2-Fussabdruck in der individuellen Mobilität.
Wie viele Microlinos wurden schon in eurer eigenen Fabrik in Turin gebaut?
Oliver: Insgesamt etwas über 5000 Microlinos. Wir haben drei Modelle in diversen Ausführungen produziert. Wir stehen ganz am Anfang eines neuen Trends hin zu kleineren Fahrzeugen, wie er in China bereits Realität ist. Podcars sind der nächste grosse Trend in der Mobilität – und eines Tages auch selbstfahrend.
Worauf seid ihr besonders stolz?
Merlin: Wir sind Marktführer im Bereich Podcars bis 90 km/h und haben bereits einige Preise in Deutschland und Frankreich gewonnen, kürzlich auch den Swiss Design Award 2025. Mit dem Microlino ist es uns gelungen, ein sehr positives Image zu vermitteln. In Italien nennt man so etwas ganz einfach: «Bella Figura».
Der erste Kunde in Italien war der Ex-CEO von Gucci und Rolex hat die erste Microlino-Flotte unter den Firmenkunden aufgebaut.
Wer ist die typische Microlino-Fahrerin oder der typische Fahrer?
Oliver: Da gibt es verschiedene Typen – und erstaunlich viele Frauen, die den Microlino bereits ins Herz geschlossen haben. Aber auch SUV-Fahrerinnen und -Fahrer, die für die Alltagsstrecke ein kleineres Fahrzeug mit geringerem Fussabdruck verwenden wollen. Oder Velofahrende, die dem schlechten Wetter ausweichen möchten.
Wo wir noch Nachholbedarf haben, sind die Firmenkunden. Mit dem Microlino könnten Unternehmen ihre Klimaversprechen sofort glaubwürdig untermauern – und nicht nur ankündigen.
Der Microlino könnte ein Umdenken in der Mobilität anstossen: weniger grosse Langstreckenautos für kleine tägliche Strecken – Downsizing– Wim Ouboter, Gründer und CEO
Was hat es mit dem QR Code rechts unten auf sich?
Wim: Es geht um einen Schriftsatz an das Bundesverwaltungsgericht, der von der bekannten Rechtsanwältin Cordelia Bähr verfasst wurde. Sie gehört gemäss Forbes zu den 100 einflussreichsten Frauen der Welt und hat auch die Klimaseniorinnen in Strassburg vertreten.
Wir fordern eine faire Behandlung der Podcars als Personenwagen und den Zugang zu CO2-Credits wie bei allen anderen Elektroautos. Hier agiert die Politik leider eher kontraproduktiv in Bezug auf die CO2-Reduktion. Am Ende werden wohl die Gerichte entscheiden müssen.
Wir hoffen jedoch auf Einsicht beim Bundesverwaltungsgericht und eine Gleichbehandlung ohne Wettbewerbsverzerrungen. Der Microlino könnte ein Umdenken in der Mobilität anstossen: weniger grosse Langstreckenautos für kleine tägliche Strecken – Downsizing!

Kürzlich war der Gründer von Tesla bei euch in Küsnacht und in der Fabrik in Turin. Was war sein Interesse?
Merlin: Seine Vision ist die E-Mobilität und er sieht genau in unserem Ansatz mit einem Podcar das nächste grosse Ding. Es erinnert ihn auch an den Tesla Roadster, den er mitentwickelt hat. Er sieht im Microlino eine Basis für weitere Modelle. Mehr möchten wir im Moment nicht verraten.
Was sind die Vorteile eines Microlino beziehungsweise eines Podcars?
Oliver: Ein einmaliger Fahrspass, rund 60 Prozent geringerer CO2-Fussabdruck, sehr günstige Kilometerkosten, wettergeschützt ohne Helm, einfaches Parkieren, ein starkes Image – und nicht zuletzt gehört man zu den Trendsettern.
Die Gebrüder Freitag haben es damals mit ihrer Messenger-Tasche vorgemacht, die bis heute weltweit erfolgreich ist.
Zudem braucht es keine teuren Ladestationen – ein normaler Haushaltsstecker genügt. Was noch fehlt, sind kleine Parkplätze in Innenstädten, da Podcars nur etwa ein Drittel des Platzes benötigen.
Was sind eure Erkenntnisse aus der Klimadiskussion der vergangenen Jahre?
Wim: Sehr ernüchternd. Freiwillig erreichen wir leider kein Umdenken in Richtung CO2-Reduktion. Im Jahr 2025 waren unter den 15 meistverkauften Autos nur drei Elektrofahrzeuge – dafür zehn SUVs. Die Autoindustrie hat wenig Interesse an kleinen Elektrofahrzeugen, auch wenn diese in der EU zunehmend auf dem Radar sind. Es wird sich zeigen, ob die Mobilitätswende weiterhin stark von der Autolobby – insbesondere in Deutschland – beeinflusst wird.
Gerade in der Schweiz ist die Motorisierung rekordverdächtig und weit entfernt von unseren Klimazielen.
Was braucht es vonseiten der Regierung, um dieses Umdenken hin zu kleineren Fahrzeugen zu beschleunigen?
Merlin: Es braucht eine Gleichbehandlung von Podcars bei der CO2-Anrechnung und keine weitere Diskriminierung. Kleine Parkplätze für Podcars in Innenstädten und an Bahnhöfen der SBB sind ebenfalls wichtig.
Zudem könnte eine Finanzierung über grössere Fahrzeuge wie SUVs sinnvoll sein, um Podcars zu fördern – insbesondere solche, die in Europa produziert werden. Solche Fahrzeuge erhöhen die Lebensqualität und die Sicherheit im urbanen Raum.
Danke für das Gespräch – sicher eine grosse Herausforderung für eine Familie, gegen die mächtige Lobby der Autoindustrie anzukämpfen. Dafür habt ihr Anerkennung verdient.
Warnung: Das regelmässige Fahren von -Podcars (Microlino) kann süchtig machen!
Zum Schriftsatz an das Bundesverwaltungsgericht




Bei dem Preis ein halbes Auto, was Schritt.