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»Energieinfrastruktur als Schlüssel für den Industriestandort«

16.07.2026
von SMA

Die Antwort auf die Herausforderungen der Energiewende liegt im Netz. Ein Gespräch mit Dr. Ralf Jungblut, CEO der Gräper Ahlhorn GmbH & Co. KG, über die Rolle moderner Netzinfrastruktur für den Industriestandort Deutschland.

Dr. Ralf JungblutCEO

Dr. Ralf Jungblut
CEO

Herr Dr. Jungblut, die Energiewende ist in aller Munde – aber was bedeutet sie konkret für die Netzinfrastruktur?

Die Energiewende ist längst keine politische Absichtserklärung mehr. Sie ist eine ingenieurtechnische Realität, die tiefgreifende Konsequenzen für unsere gesamte Netzinfrastruktur hat. Der Ausbau der Übertragungskapazitäten ist dabei notwendig, aber nicht ausreichend. Entscheidend ist, was in der Fläche passiert, nämlich auf der Mittel- und Niederspannungsebene, dort, wo Energie wirklich ankommt. Die Antwort auf die Herausforderungen der Energiewende liegt also nicht allein in der Erzeugung. Sie liegt im Netz selbst.

Welche Rolle spielen dabei Netzstationen – ein Thema, das in der öffentlichen Debatte kaum vorkommt?

Das stimmt und das ist eigentlich paradox. Netzstationen galten lange als stilles Rückgrat der Stromversorgung. Sie sind funktional, unverzichtbar, aber selten im Mittelpunkt der Debatte. Das ändert sich gerade fundamental. Mit dem wachsenden Anteil dezentraler Einspeiser wie Photovoltaikanlagen, Windkraft, Batteriespeichern entstehen bidirektionale Lastflüsse, die klassische Netzinfrastruktur an ihre Grenzen bringen. Eine Netzstation ist heute weit mehr als ein Transformator. Sie ist ein Datenpunkt, ein Regelglied, ein aktiver Teil des Netzes und damit ein Schlüsselelement für Versorgungssicherheit und Effizienz.

Wie verändert die Digitalisierung diese Anlagen konkret?

Moderne Netzstationen sind heute integraler Bestandteil sogenannter Smart Grids. Sie sind ausgestattet mit Sensorik, Steuerungs- und Kommunikationstechnik und übernehmen damit eine aktive Rolle im Netz: Sie messen, regeln und kommunizieren in Echtzeit und oft vollautomatisch. Das ist ein fundamentaler Wandel gegenüber dem, was wir noch vor zehn oder fünfzehn Jahren als Standard kannten.

Was bedeutet das für Industrieunternehmen, die ihren Energiebedarf absichern wollen?

Der Druck auf die Unternehmen wächst erheblich. Die Elektrifizierung von Produktionsprozessen, der Aufbau eigener Ladeinfrastruktur für Elektromobilität, der Wunsch nach eigenständiger Energieversorgung mit Speicherlösungen: All das erhöht den Bedarf an leistungsfähigen Netzanschlüssen massiv. Netzkapazität ist kein technisches Detail. Sie ist ein strategischer Standortfaktor und in manchen Branchen bereits die entscheidende Engpassgröße bei Investitionsentscheidungen. Wer heute nicht in seine Netzinfrastruktur und Netzqualität investiert, riskiert morgen einen handfesten Wettbewerbsnachteil.

Muss dafür immer neu gebaut werden – oder gibt es effizientere Wege?

Zur Wahrheit gehört, dass in vielen Fällen ein Neubau notwendig ist. Die Alternative, durch eine gezielte Modernisierung bestehender Anlagen, eine schnellere und kosteneffizientere Lösung einzusetzen, muss im Einzelfall durch ein Fachunternehmen bewertet werden. Ein solcher sogenannter Refit-Ansatz ermöglicht es, vorhandenes Know-how und bestehende Netzstrukturen zu nutzen, auch um die Spannungsqualität zu verbessern und Ausfallzeiten zu minimieren. Kurz: Den technischen Standard schrittweise anzuheben. Gerade in einem Umfeld stark steigender Baukosten und begrenzter Planungskapazitäten gewinnt das zusätzlich an Attraktivität.

Ihr abschließendes Fazit für den Industriestandort Deutschland?

Die Kombination aus Netzausbau, Digitalisierung und intelligenten Stationslösungen ist kein Selbstzweck. Sie ist die Grundlage dafür, dass Deutschland als Industriestandort international nachhaltig wettbewerbsfähig bleibt. Infrastruktur ist Industriepolitik, das sollten wir uns als Gesellschaft stärker bewusst machen. Die Unternehmen, die das frühzeitig erkennen und entsprechend investieren, sichern sich einen strukturellen Vorteil, der in den nächsten Jahren immer deutlicher sichtbar werden dürfte.

Weitere Informationen unter:
graeper.de

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