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Wenn Strom zur Standortfrage wird

16.07.2026
von Walter Nogueira

Bayern steht beim Ausbau erneuerbarer Energien unter Druck: Der Bedarf ist hoch, die Preise volatil und zugleich kommt der Netzausbau nur schleppend voran. Im Interview erklärt Thomas Hartauer, Vorstandsvorsitzender der CAV Partners AG, warum Windkraft in Süddeutschland für Versorgungssicherheit, Investitionen und die Energiewende an Bedeutung gewinnt.

Thomas Hartauer
Vorstandsvorsitzender

Herr Hartauer, der Strommarkt verändert sich. Welche Entwicklungen prägen die Investitionslandschaft am stärksten?

Die Investitionslandschaft wird heute vor allem von Versorgungssicherheit, Marktintegration und politischer Verlässlichkeit geprägt. Erneuerbare Energien sind längst nicht mehr nur ein Klimathema, sondern fester Bestandteil der Energie- und Standortpolitik. Investor:innen erwarten stabile regulatorische Rahmenbedingungen sowie zunehmend auch eine aktivere Steuerung der Stromvermarktung, wie sie erfolgreiche Projekte heute erfordern.

Worauf achten Investor:innen und Projektentwickler:innen besonders, wenn sie solche Projekte bewerten?

Im Mittelpunkt stehen langfristig belastbare Erträge und die Qualität des Standorts. Dazu gehören Faktoren wie Wind- oder Solarertrag, Netzanschluss, Genehmigungssicherheit sowie die Möglichkeit eines späteren Repowerings. Auch die Finanzierungsstruktur spielt eine wachsende Rolle, wie etwa der Anteil an Fremdkapital und die Absicherung gegen Preisschwankungen am Strommarkt. Dazu zählen ein professionelles Asset-Management und realistische Annahmen zur Laufzeit. Der Standort selbst wird damit zunehmend zum eigentlichen Vermögenswert.

Bayern gilt beim Ausbau der Windkraft als Markt mit großem Nachholbedarf. Welche Besonderheiten machen den bayerischen Markt aus?

Bayern holt beim Windkraftausbau spürbar auf: Die 10H-Regel, die bislang einen Mindestabstand vom Zehnfachen der Anlagenhöhe zur Wohnbebauung vorschrieb, wurde gelockert, während Genehmigungsverfahren heute schneller laufen. Diese Entwicklung ist nötig: Der Freistaat ist ein energieintensiver Industriestandort, doch kommt der Netzausbau bundesweit nicht im erforderlichen Tempo voran. Windenergie kann hier eine wichtige Ergänzung zur bayerischen Photovoltaik leisten, insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Solarerträge naturgemäß niedriger ausfallen.

Onshore-Wind wird für Süddeutschland vor allem zu einem Instrument der Versorgungssicherheit.– Thomas Hartauer,
Vorstandsvorsitzender

Wo sehen Sie derzeit die größten Bremsfaktoren und wo entstehen neue Chancen?

Der größte Engpass bleibt der Netzanschluss. Dazu kommen politische Unsicherheiten und hohe Finanzierungskosten, die langfristige Investitionen erschweren. Wir sehen jedoch auch große Chancen, wie moderne Anlagentechnik, effizientere Genehmigungsverfahren und eine stärkere Einbindung von Kommunen sowie privaten und institutionellen Investor:innen. Das verbessert die Planbarkeit neuer Projekte erheblich und macht den Markt insgesamt attraktiver für langfristiges Kapital.

Welche Rolle kann Onshore-Wind in Bayern künftig spielen?

Onshore-Wind wird für Süddeutschland vor allem zu einem Instrument der Versorgungssicherheit: Strom, der regional erzeugt wird, muss nicht erst über weite Strecken durch ein Netz transportiert werden, dessen Ausbau ins Stocken geraten ist. Das entlastet nicht nur die Leitungen, sondern macht die Region unabhängiger von Importen aus dem Norden. Zusammen mit Speichern und einer aktiveren Vermarktung entsteht so ein stabileres, planbareres Energiesystem für die Industrie im Süden.

Weitere Informationen und Investitionsmöglichkeiten unter cav-partners.de

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