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21 Oktober 2020

Daniel Radcliffe: «Hätte ich einen Zauberstab, würde ich die Welt von Corona befreien».

Wie bleibt ein ehemaliger Kinderstar relevant? Daniel Radcliffe hat die Antwort für sich gefunden: Er will sich und das Publikum herausfordern – und sich nicht von den eigenen Neurosen unterkriegen lassen.

Daniel Radcliffe, Sie leben in New York. Wie erleben Sie das Zuhause-Bleiben seit dem Ausbruch der Pandemie? 

Ich bin in einer sehr glücklichen Position: Ich bin nicht alleine, sondern mit meiner Freundin zusammen und wir haben keine Kinder, die wir zu Hause unterrichten und non-stop unterhalten müssen. Wir sind alle gesund. Also bei uns ist alles so weit, so gut. Ich klopfe auf Holz, dass es so bleibt.

Welche Seiten bekommt Ihre Freundin, die Schauspielerin Erin Darke, jetzt mit, welche die Aussenwelt kaum an Ihnen sieht?

Ich weiss nicht. Vermutlich meine Ängste und Neurosen. Von denen bekommt sie wohl mehr ab, als sonst jemand.

Was für Ängste haben Sie denn?

Die üblichen Unsicherheiten, die das Leben und die Arbeit betreffen. Wie jeder Schauspieler. Ich habe noch keinen getroffen, egal wie erfolgreich, der nicht irgendwie unsicher ist. Ich glaube nicht, dass man diese Zweifel je los wird.

Ich habe noch keinen getroffen, egal wie erfolgreich, der nicht irgendwie unsicher ist.

Daniel Radcliffe
Haben Sie während des Lockdowns neue Talente entwickelt?

Nein, ich gehöre definitiv nicht zu den Leuten, die in dieser Zeit ein neues Handwerk gelernt haben. Ich habe grossen Respekt für die, die sich jetzt nähen oder backen aneignen.

Wie vertreiben Sie sich die Zeit also sonst?

Ich bastle viel mit Lego: Die Zeit vergeht, es ist meditativ und am Schluss hat man erst noch etwas Tolles zusammengebaut. Ich habe mich bereits durch das Jurassic-Park- und das Stranger-Things-Set durchgearbeitet. Dazu schauen wir uns durch alle Staffeln von «Schitt’s Creek» und durch eine Liste von Filmen, die wir nie gesehen haben.

Zum Beispiel?

«Pan’s Labyrinth», «Barfuss im Park», «It Happened One Night»; Filme eben, die wir beide für ein Muss halten. Ich lese aber auch viel und gestern habe ich endlich mit Schreiben angefangen.

Was schreiben Sie denn?

Ich versuche, Drehbücher zu schreiben. Ich denke täglich: Heute ist der Tag, an dem ich etwas Produktives zu Papier bringe, aber wochenlang lief nichts. Alle Schauspieler wollen ja etwas schreiben und ich gehöre auch dazu. Eines Tages möchte ich ein Drehbuch erstellen und auch Regie führen.

Ich denke täglich: Heute ist der Tag, an dem ich etwas Produktives zu Papier bringe, aber wochenlang lief nichts.

Daniel Radcliffe
Worum geht es in Ihrem Drehbuch?

Zuviel möchte ich nicht verraten, aber es geht in Richtung schwarze Komödie.

Sie haben in letzter Zeit einige schräge Komödien gemacht, wie der Kult-Film «Swiss Army Man», in dem Sie eine Leiche spielen. Woher kommt das?

Stimmt, ich habe den Ruf, Filme zu bevorzugen, die etwas verrückt sind, aber ich mache auch naturalistische Filme wie den Thriller «Escape from Pretoria». Der hatte zudem historische Elemente. Bei «Swiss Army Man» wusste ich nicht, wie ich die Leiche spielen sollte. Jede Rolle, die ich spiele, birgt eine Herausforderung; manchmal ist die Rolle selbst herausfordernd, manchmal die Drehsituation. Zum Beispiel, dass man nur 16 Drehtage hat und fünfzehn bis zwanzig Seiten Dialog pro Tag lernen muss. Ich mag diesen Druck. Und zwischendurch mische ich etwas rein, das einfach nur Spass macht.

Wie beispielsweise den interaktiven Netflix-Movie «Unbreakable Kimmy Schmidt: Kimmy vs. the Reverend». Die Zuschauer haben die Möglichkeit, Entscheide zu fällen, in welche Richtung die Geschichte weitergesponnen werden soll. Erfordert es von Ihnen eine besondere Konzentration, verschieden Varianten zu spielen und auseinander zu halten? 

Wir Schauspieler mussten nur die verschiedenen Versionen der Szenen lernen. Aber es ist schon wie ein Rubik’s Cube Zauberwürfel: Ich weiss nicht, wie beim Drehbuch und beim Schnitt alles zusammengeschustert wurde. Oder was der Regisseur alles im Kopf haben muss. Alle Achtung vor der Leistung! Ich würde empfehlen, einmal alles durchzuschauen und die Optionen zu wählen, für die sich ein moralisch aufrechter Mensch entscheiden würde. Und dann nochmals aus der Perspektive eines Miststücks, das nur Übles sehen will. Was macht wohl mehr Spass?

Netflix ist derzeit überall. Was halten Sie als Schauspieler von der Verlagerung von Film- und TV-Produktionen zu Streaming-Anbietern?

Heute spricht man ganz anders über Netflix als noch vor fünf Jahren. Da liegen Welten dazwischen. Einer von acht Amerikanern soll «Bird Box» auf Netflix gesehen haben. Ich nicht, denn ich schaue keine Filme, die einem Angst einflössen (lacht). So eine Statistik muss man sich mal vorstellen! Es ist eine unglaubliche Plattform. Mehr Shows werden produziert und die Leute schauen auch viel. Das ist letztlich positiv für uns. Bei den Indie-Filmen gibt es allerdings gute und schlechte Nachrichten.

Einer von acht Amerikanern soll «Bird Box» auf Netflix gesehen haben.

Daniel Radcliffe
Wie meinen Sie das?

Ich hatte einmal ein Meeting mit einem Produzenten bei einem grossen Filmstudio. Er sagte, wenn ich eines Tages Regie führen will bei einem Film, der unter einer Million oder über 100 Millionen Dollar kostet, soll ich zu ihm kommen. Alles andere dazwischen mache keinen Sinn. Das habe ich nie vergessen. Netflix hat den Ort für Filme kreiert, die zwischen diesen beiden Zahlen liegen. Es ist eine interessante Zeit. Die Industrie ist in Bewegung.

Was streamen Sie denn selber am liebsten?

Cartoons und Dokumentarfilme. Die Zeichentrickserie «Bojack Horseman» ist eine meiner Lieblingsshows der letzten Jahre, und ich sage das nicht nur, weil ich darin eine Rolle hatte. Und ich schaue so ziemlich alle Dokumentarfilme, die Netflix macht. 

Sie drehten neben «Unbreakable Kimmy Schmidt: Kimmy vs. the Reverend» auch die Anthology-Serie «Miracle Workers», in der Sie einen Helfer Gottes, gespielt von Steve Buscemi, verkörpern. Wenn Sie ein Gespräch mit Gott in menschlicher Gestalt haben könnten, wen würden Sie sich wünschen?

Wissen Sie was? Vermutlich würde ich Michael Gambon wählen – er spielte Dumbledore in den Harry-Potter-Filmen. Er hat eine gewisse Aura. Und er sieht schon ein bisschen so aus, wie man sich Gott vorstellt, finde ich. Andererseits ist er aber auch ein Scherzkeks. Wenn ich also in den Himmel komme und Michael Gambon wartet da als Gott, dann wäre ich ziemlich happy. 

Ein weiteres Potter-Flashback: Rupert Grint, der den Rotschopf Ron Weasley spielte, ist vor kurzem Vater geworden. Sind Sie mit ihm noch in Kontakt?

Ja, ich habe ihm sofort geschrieben, als ich davon hörte. Ich bin unglaublich happy für ihn. Er und Georgia sind schon eine Weile zusammen und ich bin sicher, er ist ein grossartiger Vater. Verrückt eigentlich: In meinem Kopf sind wir noch sechzehn Jahre alt und haben uns gerade erst kennengelernt. 

Inzwischen sind Sie aber bereits 31 Jahre alt geworden. Sie haben sich vom Blockbuster-Held zum Charakterschauspieler gewandelt. Wie haben Sie den Übergang erlebt?

Dass ich die grossen Kisten gleich zu Beginn meiner Karriere gemacht habe, war in gewisser Weise befreiend. Ich habe viele Freunde, die gerne in grossen Blockbustern mitspielen würden. Und das verstehe ich auch. Sie sind grossartig, aber ich weiss auch: Sie sind nicht der Anfang und das Ende des Filmemachens und der Schauspielerei. Ich will ein Charakterschauspieler in der Hauptrolle sein. So wie James McAvoy.

Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?

Ich will einfach weiterarbeiten. Als Schauspieler und wie gesagt, eines Tages hoffentlich auch als Autor und Regisseur. Ich weiss, das ist eine einfache und langweilige Antwort. Aber das ist mein Ziel.

Sie spielen ja auch Theater und sind bereits in mehreren Produktionen am Broadway aufgetreten. Was fasziniert Sie am Spielen auf der Bühne dort?

Der Broadway ist ein toller Arbeitsort. Die Schauspielergemeinde ist fantastisch, das Publikum auch! Ich hoffe, das Theater ist Teil meiner Karriere, so lange ich eine habe.

Was halten Sie vom Stück «Harry Potter and the Cursed Child»?

Ich habe es nicht gesehen. Es wäre keine entspannte Angelegenheit für mich. Bei anderen Aufführungen kann ich mich relativ gut reinschleichen, ohne dass mich jemand erkennt. Bei diesem Stück bezweifle ich, dass niemand merkt, dass ich da bin. Ich weiss, dass Emma Watson hingegangen ist. Ich kenne viele, die das Stück gesehen haben. Aber ich würde einfach dort sitzen und mir die ganze Zeit beobachtet vorkommen. Das wäre kein netter Abend für mich.

Wenn Sie jetzt einen Zauberstab hätten, was würden Sie damit anstellen?

Momentan ist die Antwort ganz offensichtlich: Ich würde die Welt vom Coronavirus befreien.

Das Interview mit Mark Ruffalo, Daniel Radcliffes Co-Star in «Die Unfassbaren 2», lesen Sie hier.

Interview Marlène von Arx     Bild HFPA

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