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Wer in der Schweiz produziert, sichert die Zukunft

30.10.2026
von Thomas Soltau

Wenn Medikamente knapp werden, zeigt sich, wie wertvoll eigene Produktionskapazitäten sind. Das Schweizer Familienunternehmen Streuli Pharma entwickelt und produziert seit Generationen Arzneimittel in Uznach SG und hält trotz wirtschaftlichem Druck am Standort fest. Für die exekutive Verwaltungsratspräsidentin Claudia Streuli ist klar: Versorgungssicherheit braucht Hersteller:innen, die im Land bleiben. Doch ohne tragfähige Preise droht der Schweiz genau das Wissen verloren zu gehen, das sie in Krisenzeiten dringend benötigt.

Claudia Streuli, Exekutive Verwaltungsratspräsidentin bei Streuli

Wie viel darf Versorgungssicherheit kosten, wenn die Produktion in der Schweiz teurer ist als anderswo?
Wir müssen zunächst hinterfragen, ob die Produktion in der Schweiz tatsächlich so viel teurer ist, wie oft angenommen wird. Neben den Herstellkosten beeinflussen auch Produktivität, Automatisierung, Auslastung, regulatorische Kosten und Qualitätssicherung den Preis. Eine Herstellung in der Schweiz bedeutet deshalb nicht automatisch signifikant höhere Herstellpreise. Wie Intergenerika am Beispiel von Ibuprofen 400 mg aufzeigt, liegen die Herstellkosten in der Schweiz mit CHF 1.50 nur CHF 0.31 über jenen in Frankreich (CHF 1.19). Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass das höhere Schweizer Lohnniveau gewisse Kostenunterschiede rechtfertigt.

Streuli entwickelt und produziert weiterhin in Uznach. Warum halten Sie am Standort Schweiz fest?
Als Schweizer Familienunternehmen, das 1867 als Apotheke begann, denken wir langfristig und wollen auch künftig zur Versorgung der Schweizer Bevölkerung beitragen. Der Standort ermöglicht kurze Entscheidungs- und Distributionswege sowie direkte Kontrolle über Herstellprozesse und Qualität. Wir sind überzeugt, dass es richtig ist, Arzneimittel weiterhin nach hohen Qualitätsstandards in der Schweiz herzustellen.

Globale Arbeitsteilung macht die Pharmaindustrie effizienter. Wann wird daraus eine riskante Abhängigkeit?
Internationale Arbeitsteilung ist sinnvoll und bleibt notwendig. Auch wir sind auf internationale Lieferketten angewiesen. Riskant wird es, wenn sich die Produktion essenzieller Bestandteile auf einzelne Hersteller:innen konzentriert. Fällt ein Standort aus oder stören geopolitische Spannungen den Warenverkehr, können schnell ganze Märkte betroffen sein. Entscheidend ist, ob es im Ernstfall realistische Alternativen gibt. Ein zweiter Lieferbetrieb auf dem Papier hilft wenig, wenn er vom selben produzierenden Unternehmen abhängt oder bereits ausgelastet ist.

Uns muss bewusst sein, dass tiefste Medikamentenpreise und eine einheimische Produktion langfristig nicht miteinander vereinbar sind.

Welche Kompetenzen will Streuli unbedingt im eigenen Haus erhalten?
Wir wollen ein produzierendes Unternehmen bleiben und nicht bloss distribuieren. Deshalb erhalten wir möglichst viele Kompetenzen von der Entwicklung über Herstellung und Qualitätssicherung bis zum regulatorischen Know-how. Zudem produzieren wir weiterhin ein breites Spektrum galenischer Formen, einschliesslich Sterilia. Als eines der letzten Unternehmen in diesem Bereich sehen wir uns trotz Preisdruck in der Verantwortung. Der strategische Wert liegt in Qualität, Flexibilität und Handlungsfähigkeit.

Wo sollte die Schweiz eigene Herstellungskapazitäten sichern, und wo bleibt internationale Beschaffung sinnvoll?
Die Schweiz sollte Herstellungskapazitäten dort sichern, wo Know-how und Infrastruktur noch vorhanden sind. Die Schliessung von Bichsel zeigt, wie schnell solche Kapazitäten verloren gehen. Wirkstoffe, Rohstoffe und Packmittel können weiterhin international beschafft werden, sofern die Lieferketten diversifiziert sind. Die Herstellung und das Wissen müssen aber im Land bleiben. Die Corona-Zeit machte deutlich, dass in Krisen jedes Land zuerst die eigene Bevölkerung versorgt.

Mehr Versorgungssicherheit kostet Geld. Wer sollte dafür aufkommen?
Versorgungssicherheit kostet Geld, doch wie das Ibuprofen-Beispiel zeigt, entstehen die Mehrkosten nicht nur bei der Herstellung. Entscheidend ist ein funktionierender Markt. Bei zu starkem Preisdruck ziehen sich Hersteller:innen zurück, und mit ihnen verschwinden Kapazitäten und Know-how. Dadurch ausgelöste Lieferengpässe verursachen Kosten, die bei günstigen Medikamenten oft in keinem Verhältnis zum Einsparpotenzial stehen. Statt Kapazitäten nachträglich staatlich zu finanzieren, brauchen wir angemessene Preise und weniger Bürokratie.

Was braucht der Standort Schweiz, damit hier auch in zehn Jahren Medikamente produziert werden?
Wir brauchen verlässliche, wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen, damit sich Investitionen über Jahre lohnen. Besonders bei günstigen Arzneimitteln geraten die Preise unter Druck, während Kosten und Anforderungen steigen. So gehen Produkte, Arbeitsplätze und Fachwissen verloren. Uns muss bewusst sein, dass tiefste Medikamentenpreise und eine einheimische Produktion langfristig nicht miteinander vereinbar sind. Wenn wir Arzneimittel in der Schweiz herstellen und die damit verbundenen Vorteile erhalten wollen, müssen wir auch bereit sein, wirtschaftlich tragfähige Preise zu akzeptieren.

Weitere Informationen unter:
streuli-pharma.ch

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