Vom 22. bis 25. September trifft sich auf der WindEnergy Hamburg das Who’s who der Onshore- und Offshore-Windindustrie. Im Interview betont Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburg Messe und Congress, die Bedeutung des Sektors für die globale Energiewende und den Mehrwert der Weltleitmesse für die Branche.

Claus Ulrich Selbach
Vice President Exhibitions Maritime & Energy
Herr Selbach, wer kommt zur WindEnergy Hamburg 2026?
Zur WindEnergy Hamburg 2026 erwarten wir erneut mehr als 1600 Aussteller und mehr als 40 000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher aus über 100 Ländern. Auf mehr als 83 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche bildet die Messe die gesamte Wertschöpfungskette der internationalen On- und Offshore-Windindustrie ab. In dieser Breite und Internationalität gibt es weltweit keine vergleichbare Branchenplattform.
Vertreten sind sämtliche führenden Hersteller von Windenergieanlagen aus Europa, den USA, Indien und China. Hinzu kommen Zulieferer, Projektentwickler, Windparkbetreiber, Energieversorger, Investoren sowie politische und regulatorische Entscheidungsträger.
Seit Jahren wächst insbesondere die Präsenz asiatischer Unternehmen. Chinesische und indische Hersteller gewinnen international Marktanteile und treten zunehmend in direkten Wettbewerb mit europäischen und amerikanischen Anbietern. Ergänzt wird das Ausstellerfeld durch zahlreiche Zulieferer aus Taiwan, Südkorea, Japan, Singapur und Thailand. Die Asien-Pazifik-Region zählt zu den dynamischsten Wachstumsmärkten der Windindustrie. Vor diesem Hintergrund werden wir nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr im Mai 2027 erneut die WindEnergy Asia-Pacific in Singapur veranstalten.
Europa bleibt das strategische Zentrum der Branche. Mit Blick auf den geplanten Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee und die europäische Energiewende ist die WindEnergy Hamburg der zentrale Treffpunkt.
Warum setzen die Unternehmen auf Windenergie?
Klimaneutralität wird nur gelingen, wenn Wirtschaft und Gesellschaft elektrifiziert werden – von Wärmepumpen und Elektromobilität über die Produktion von E-Fuels bis hin zur Transformation energieintensiver Industrien. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz erheblich.
Der zweite Grund ist die Versorgungssicherheit. Erneuerbare Energien verringern die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und reduzieren so geopolitische Risiken.
Der dritte Faktor ist die Wirtschaftlichkeit – und damit gegebenenfalls der wichtigste Treiber. Windenergie zählt – insbesondere an guten Onshore-Standorten und zunehmend auch offshore – zu den günstigsten Formen der Stromerzeugung. Sie ist daher auch ein ökonomischer Faktor industriepolitischer Relevanz.
Welche Position nimmt die WindEnergy Hamburg vor diesem Hintergrund ein?
Die WindEnergy Hamburg bildet den technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt der Branche in außergewöhnlicher Dichte ab. Sie zeigt, mit welchem Tempo die Branche die Effizienz, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit ihrer Technologie vorantreibt.
Gleichzeitig stehen auf der Messe neue Turbinen und Komponenten im Mittelpunkt wie auch Themen wie Netzausbau, Energiespeicherung, Digitalisierung und Marktdesign. Diese Fragestellungen werden auf den Messeständen und im Konferenzprogramm diskutiert.
Die Energiespeicherung erhält bei der WindEnergy Hamburg erstmalig eine eigene Storage-Area. Warum rücken Sie dieses Thema in den Fokus?
Der Ausbau der erneuerbaren Energien macht Speicher zum Gamechanger der Energiewende. Sie schaffen die Flexibilität, um Schwankungen bei der Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Zugleich entwickeln sich Speicher zu einem eigenständigen Geschäftsmodell. Sie stabilisieren Stromnetze, erhöhen die Wirtschaftlichkeit von Projekten und ermöglichen es, Strom bereitzustellen, wenn die Nachfrage und die Börsenpreise attraktiv sind. Deshalb widmen wir dem Thema in Halle A2 erstmals eine 3600 Quadratmeter große Storage-Area, auf der Speichertechnologien sowie Lösungen für Netzstabilität und Flexibilitätsmanagement präsentiert werden.
Die Messetage Donnerstag und Freitag stehen im Zeichen des Recruitings. Vor welchen Herausforderungen stehen Windenergieunternehmen, wenn es um die Akquise von Fachkräften geht?
Der Ausbau der Windenergie wird nur gelingen, wenn ausreichend qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Die Bundesregierung plant eine Verdopplung der Leistung aus On- und Offshore auf 145 Gigawatt bis 2030. Auf europäischer Ebene wird noch größer gedacht: Die Nordsee soll zum größten »Kraftwerk« der Welt werden. Die Unternehmen der Branche wollen dafür über 90 000 neue Jobs schaffen. Der Aufbau eines Windparks ist komplex, da sind Spezialwissen sowie Planungs- und Koordinationskompetenzen gefragt. Auch der Klimaschutzaspekt macht die Jobs für junge Menschen attraktiv.
Mit den Recruiting Days bringen wir Unternehmen mit Studierenden, Schüler:innen sowie Nachwuchs- und Fachkräften zusammen.
Die WindEnergy Hamburg bietet ein spezielles Networking-Rahmenprogramm. Wo können die Ausstellenden und Besuchenden Kontakte knüpfen?
Die Messestände bleiben deshalb der wichtigste Ort für Gespräche zwischen Herstellern, Zulieferern, Investoren und Projektentwicklern. Ergänzt wird dies durch das Konferenzprogramm auf fünf Open Stages, auf denen Expertinnen und Experten aktuelle Entwicklungen diskutieren. Mit WindEnergy Hamburg Connect steht zudem eine digitale Plattform für Terminplanung, Chat, virtuelle Meetings und KI-gestütztes Matchmaking zur Verfügung.
Den informellen Austausch fördern schließlich Formate wie »Wine o’Clock« sowie die zahlreichen Abendveranstaltungen der Aussteller. Gerade in einer projektgetriebenen Industrie wie der Windenergie entstehen langfristige Partnerschaften häufig im persönlichen Gespräch. Die WindEnergy Hamburg bietet dafür den passenden Rahmen.
Weitere Informationen unter:
windenergyhamburg.de


Schreibe einen Kommentar