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Editorial Gesundheit

Menschlich, mutig, machbar

21.04.2026
von SMA
Peter Burri Follath,Leiter Kommunikation Pro Senectute Schweiz

Peter Burri Follath
Leiter Kommunikation Pro Senectute Schweiz

Die Zukunft wird oft als fernes Land beschrieben, ein Ort voller Möglichkeiten, aber auch voller Fragezeichen. Wir bei Pro Senectute wissen: Die Zukunft beginnt nicht morgen, sondern in den kleinen Momenten von heute, in einem Anruf, der zur Unterstützung wird, in einer Rampe, die plötzlich Freiheit schenkt, in einem «Wie gehts Ihnen wirklich?» statt einem eiligen «Alles gut?». Unser tägliches Tun ist eine Einladung, die Welt ein wenig freundlicher zu machen, und zwar dort, wo Menschen leben, älter werden, gesund bleiben oder mit Einschränkungen umgehen. Wir glauben an konkrete Lösungen, aber auch an die Kraft feiner Gesten und an Humor, der die Dinge leichter macht, ohne sie zu banalisieren.

Wer unterstützt, übt die Kunst der richtigen Dosierung: nicht zu viel, nicht zu wenig, gerade so, dass jemand seinen eigenen Rhythmus wiederfindet. Ob technische Assistenz oder soziale Dienste, unser Anspruch ist, dass Unterstützung nicht überwältigt, sondern befähigt. Technik wird erst dann sinnvoll, wenn sie Menschen entlastet und nicht nur beeindruckt. Deshalb denken wir alle unsere Lösungen vom Alltag her, vom Notrufknopf über digitale Tools bis zu verlässlichen Besuchsdiensten oder dem Sportkurs. Unterstützende Strukturen entstehen nicht durch schöne Worte, sondern durch Handeln und Klarheit. Nähe entsteht nicht durch Worte, sondern durch Anwesenheit.

Gesundheit verstehen wir nicht als Ziel, das man irgendwann erreicht, sondern als Beziehung zwischen uns und unseren Möglichkeiten. Viele Menschen leben mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder den kleinen Einschränkungen des Alters. Was sie verbindet, ist nicht das Defizit, sondern die erstaunliche Fähigkeit, Wege zu finden, mit dem Leben zu gehen. Wir begleiten diese Wege mit Angeboten, die stärken. Dazu gehören vielfältige Möglichkeiten, anderen Menschen zu begegnen, sei es in unseren Kursen, in der persönlichen Beratung, bei der Entlastung von Angehörigen oder durch direkte und alltagsnahe Unterstützung zu Hause in den eigenen vier Wänden.

Prävention bedeutet für uns nicht Verzicht, sondern Freude an der eigenen Zukunft. Manchmal ist es ein Spaziergang, der die Welt weitet, manchmal eine Atemübung, die den Tag beruhigt, manchmal ein Gespräch, das Mut macht, weil es wieder Perspektive schenkt.

Gute Pflege und Betreuung entstehen, wenn Fachkräfte geschützt, gestärkt und weitergebildet werden. Es reicht nicht, ihnen zu danken. Es braucht Rahmen, in denen sie wirken können.

Wenn wir von der neuen Normalität sprechen, meinen wir eine Gesellschaft, die Barrieren abbaut statt Menschen. Wir brauchen Räume, Wege und Dienstleistungen, die selbstverständlich zugänglich sind, nicht nur für einige, sondern für alle. Barrierefreiheit ist kein Spezialprojekt, sondern eine Haltung: Rampen statt Hürden, klare Orientierung, sichere Mobilität, digitale Angebote, die Freude machen statt Frust. Die Vielfalt unserer Gesellschaft ist keine Herausforderung, sondern ein Reichtum. Teilhabe entsteht dort, wo Menschen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten willkommen sind, ohne vorher beweisen zu müssen, dass sie es wert sind. Eine Gesellschaft zeigt ihre Reife nicht an grossen Versprechen, sondern daran, wie sie ihre Türen öffnet.

Damit all das gelingt, braucht es Menschen, die helfen wollen und die wissen, wie es geht. Ausbildung im Gesundheits- und Sozialwesen ist für uns ein Herzensanliegen. Wir glauben an professionelles Handwerk mit Sinn, an Karrieren, die Perspektiven bieten, an Arbeitsbedingungen, die Qualität ermöglichen. Gute Pflege und Betreuung entstehen, wenn Fachkräfte geschützt, gestärkt und weitergebildet werden. Es reicht nicht, ihnen zu danken. Es braucht Rahmen, in denen sie wirken können. Wer täglich trägt, soll auch selbst getragen werden.

Wissenschaft und Forschung sind für uns dabei keine Welt für Spezialistinnen und Spezialisten, sondern das Fundament für gute Entscheidungen. Wir setzen auf Daten, Evaluationen und Studien, nicht um graue Theorie zu produzieren, sondern um herauszufinden, was im echten Leben wirkt. Erkenntnisse werden zu Praxis, wenn man sie ernst nimmt, vereinfacht, ausprobiert und anpasst. Wir arbeiten mit Hochschulen, Gemeinden und Partnern in der ganzen Schweiz zusammen, um Lösungen zu entwickeln, die nicht nur modern aussehen, sondern alltagstauglich bleiben. Innovation ist keine spektakuläre Show, sondern die Geduld, Dinge so lange zu verbessern, bis sie Menschen wirklich dienen.

Und dann gibt es noch die Zuversicht. Nicht die naive, sondern die leise, hartnäckige Zuversicht, die aus Erfahrung wächst. Der Erfahrung, dass jede Veränderung mit einem kleinen Schritt beginnt. Dass Vernetzung wirkt. Dass Hilfe ansteckend ist, im besten Sinne. Dass Humor selbst schwere Themen leichter tragbar macht. Wir glauben fest daran, dass eine Gesellschaft, die gemeinsam lacht, auch gemeinsam Lösungen findet. Ein gemeinsames Lächeln ist übrigens eine Form der Inklusion, die sofort funktioniert und nichts kostet.

An alle, die Unterstützung suchen: Melden Sie sich. Hilfe anzunehmen ist keine Schwäche, sondern eine Form der Selbstfürsorge.

An alle, die unterstützen möchten: Kommen Sie dazu. Jede Stunde, jeder Gedanke, jede Fähigkeit zählt.

An alle Entscheidungsträgerinnen und -träger:
Lassen Sie uns Brücken bauen, bevor Gräben entstehen. Prävention, Barrierefreiheit und Ausbildung sind keine Kosten, sondern Investitionen in die Zukunft, in jene Zukunft, die wir alle einmal brauchen werden.

Vielleicht lässt sich Lebensqualität am einfachsten so beschreiben: als das Recht, das eigene Leben im eigenen Tempo zu leben, sicher, verbunden und gesehen. Dafür arbeiten wir. Mit Herz, mit Ernsthaftigkeit und einem guten Schuss Humor. Und mit dem Vertrauen, dass die Zukunft nicht nur machbar ist, sondern lebenswert, wenn wir sie gemeinsam gestalten.

Text Peter Burri Follath, Leiter Kommunikation Pro Senectute Schweiz

Zur Person

Peter Burri Follath ist studierter Pädagoge und Kommunikationsspezialist mit MBA. Seit über 13 Jahren arbeitet er für Pro Senectute Schweiz, wo er als Leiter Kommunikation die strategische Kommunikation verantwortet.

Als Fachspezialist begleitet er unter anderem die Forschungsreihe Digital Seniors. Zudem ist er Initiant der nationalen Ü60‑Disco, die seit dem Eurovision Song Contest (ESC) in Basel landesweite Bekanntheit erlangt hat.

2026 findet der Anlass unter dem Label SUISSE DISCO 60+ am 12. September in Zürich statt.

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