Krankenhäuser stehen unter Druck: wachsende Datenmengen, strenge Regulatorik, Fachkräftemangel und zunehmende Abhängigkeit von IT-Anbietern. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Cloud-Technologien. Wie gelingt der Wandel, ohne die Kontrolle zu verlieren? Sebastian Tappe und Dr. Larissa Hütter vom IT-Beratungshaus Rewion sagen, was Kliniken jetzt wirklich brauchen – und warum interdisziplinäre Beratung zentral ist.
Was bedeutet digitale Souveränität konkret für ein Krankenhaus?
Tappe: Souveränität heißt, unabhängig und sicher die digitale Transformation umsetzen zu können. Dafür muss jedes Haus zuerst eine eigene Definition und konkrete Anforderungen erarbeiten – es gibt keinen Standard.
Hütter: Viele Kliniken stecken im Vendor-Lock-in. Daten liegen nicht in Standards vor, Systeme sprechen nicht miteinander. Bei der Tragweite der digitalen Souveränität sollte man Prioritäten setzen: Wo akzeptieren wir Abhängigkeiten, wo brauchen wir Freiheit? Wo ist digitale Souveränität überhaupt möglich?
Woran erkennt man, dass eine Cloud-Strategie tragfähig ist?
Hütter: Sie muss zur Kultur passen und Vertrauen schaffen. Der Einstieg gelingt über Projekte, die wenig Risiko, aber hohen Nutzen bringen. Niemand muss mit den kritischsten Daten starten.
Tappe: Wichtig ist Realismus. Viele IT-Teams sind überlastet. Cloud-Provider bieten Sicherheits- und Betriebsstrukturen, die einzelne Häuser kaum leisten können. Die Frage lautet: Wer kann was besser?
Schatten-IT entsteht, wenn sichere Lösungen fehlen.– Sebastian Tappe
Wie nimmt man Beschäftigte mit, die skeptisch sind oder wenig Zeit haben?
Hütter: Durch Verständnis und Nutzenargumente. Veränderungsdruck betrifft jeden anders: fehlende Zeit, Angst vor neuer Technik, Komplexität. Wir starten deshalb mit einer Ist-Analyse und Entwickeln die ersten Use Cases. Erst wenn Mitarbeitende erkennen, welchen konkreten Vorteil eine Lösung hat, gehen sie mit.
Tappe: Schatten-IT entsteht, wenn sichere Lösungen fehlen. Gute Cloud-Strategien verhindern das, indem sie praktikable Alternativen bieten, bevor inoffizielle Wege entstehen.
Warum braucht es für Cloud-Transformationen zwingend interdisziplinäre Beratung?
Hütter: Weil Cloudprojekte viele Bereiche berühren: IT, Medizin, Datenschutz, Prozesse. Niemand kann das allein abdecken.
Tappe: Genau hier kommt Rewion ins Spiel. Wir verbinden strategische Beratung und praktische Umsetzung. Viele Anbieter liefern entweder Strategien oder Technik – wir führen beides zusammen. Unsere Gründer Fabian Brechlin und Nico Ziegler kamen von der Kundenseite und haben erlebt, dass Unternehmen genau diese Verbindung brauchen: unabhängig, umsetzungsstark, ganzheitlich.
Nachhaltigkeit und geopolitische Spannungen beeinflussen Cloud-Entscheidungen. Wie verändert das den Markt?
Tappe: Wir erleben einen klaren Wendepunkt. Themen wie Cloud Act, neue Zölle oder politische Unsicherheiten haben die Nachfrage nach europäischen Angeboten massiv beschleunigt. Anbieter wie Stackit investieren stark, und internationale Player entwickeln souveräne Modelle. Cloud-Rechenzentren sind häufig energieeffizienter als Inhouse-Lösungen. Die Power Usage Effectiveness oder der Einsatz erneuerbarer Energien sind mögliche Kriterien bei der Providerauswahl.
Weitere Informationen unter rewion.com


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