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Digitalisierung in der Energieversorgung: Wie Mitarbeitende aus eigenem Antrieb Verantwortung übernehmen

16.07.2026
von Pia Soldan

Stadtwerke sind auf Energieversorgungssicherheit angewiesen. Entsprechend risikoavers betrachten sie ihre Prozessoptimierung. Warum Digitalisierung dennoch das Mittel der Wahl ist und wie Mitarbeitende dabei zum entscheidenden Faktor für einen kulturellen Wandel werden, spüren die Halberstadtwerke in ihrer täglichen Arbeit. Im Interview verrät Geschäftsführer Prof. Dr. Rainer Gerloff, wie freies Denken und Zuverlässigkeit zusammenkommen.

Prof. Dr. Rainer GerloffGeschäftsführer

Prof. Dr. Rainer Gerloff
Geschäftsführer

Herr Prof. Dr. Gerloff, warum ist eine stetige Digitalisierung für Ihre Arbeit notwendig?

Wir sind ein Energieversorger mit gut 100 Mitarbeitenden. Dabei sind wir mit der gleichen Komplexität konfrontiert wie ein Großunternehmen. Tatsächlich haben wir eben jene Komplexität, die durch den permanenten regulatorischen Wandel in der Energiewirtschaft noch erhöht wird, als unser größtes unternehmerisches Risiko identifiziert. Begegnen lässt sich ihr am besten durch Digitalisierung.

Ihre IT-Abteilung ist mit der Thüga-Abrechnungsplattform (TAP) und der Umstellung des ERP-Systems relativ ausgelastet. Wie stellen Sie sicher, dass dennoch auch in den einzelnen Fachabteilungen weitere Digitalisierung möglich ist?

Wir setzen auf einen Bottom-up-Ansatz. Die Mitarbeitenden nutzen zum Beispiel selbstständig Lösungen ohne tiefere Programmierkenntnisse, sogenannte Smaps, um mithilfe einer No-Code-Plattform ihre eigenen Prozesse zu digitalisieren. Das findet im Unternehmen großen Anklang.

Welche Voraussetzungen müssen diese Smaps erfüllen?

Da die Mitarbeitenden selbst die Smaps kreieren, müssen sie den betreffenden Prozess von Anfang bis Ende entsprechend durchdenken. Dafür müssen sich diese Creators beispielsweise klarmachen, was mit den zu erhebenden Daten geschieht. Dadurch wird der Prozessablauf stringenter, rechtssicherer und schneller, auch weil Zuständigkeiten eindeutiger definiert sind. Alle Prozesse, die ISMS- und datenschutzrelevant sind, können wir auf Smaps aufsetzen. Sie werden in Deutschland gehostet und sind entsprechend zertifiziert.

Was tun Ihre Mitarbeitenden, wenn es bei der Erstellung einer Smap einmal hakt?

Für solche Fälle haben wir unter anderem Digitalisierungssprechstunden. Dort kommt die interne Community, die Smaps schreibt, zusammen und trifft auf die IT. Dabei sprechen die Teilnehmenden über ihre Success-Storys und Best Practices und befruchten sich gegenseitig, weil sich viele Lösungen aus einer auf eine andere Abteilung übertragen lassen. Diese Treffen finden außerhalb der Abteilungshierarchie und der Steuerung durch die Geschäftsleitung statt.

Worin sehen Sie die Vorteile der Prozessoptimierung durch Mitarbeitende?

Die Energiewirtschaft befindet sich in einem umfassenden Change-Prozess und ein Veränderungsprozess löst auch Ängste aus. Wenn die Mitarbeitenden aber die Möglichkeit haben, in der Veränderung eigenen Erfolg zu generieren, verändert sich ihre Position. Dadurch entsteht Lust auf Digitalisierung und daraus folgend ein kultureller Wandel. Als Unternehmen sind wir auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden angewiesen. Im Wettbewerb zu stehen ist immer eine Frage von geistiger Freiheit der und des Einzelnen, sich auf Neues einzulassen.

Ist es nicht sehr herausfordernd, diesen Gedanken mit dem Grundsatz der Versorgungssicherheit zu vereinbaren?

In einem Energieversorgungsunternehmen ist die Risikoaversion tief verankert. Diesen Grat zwischen intellektueller Freiheit und Sicherheit, auf dem wir wandern, ist in der Tat alles andere als trivial.

Weitere Informationen zum Unternehmen unter:
www.halberstadtwerke.de

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