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Lifestyle Gesundheit

Es ist nie zu spät, in Bewegung zu kommen

24.07.2026
von SMA

Jedes Mal Lift statt Treppe, jede Bestellung per App, jede Sitzung zu lang: Was harmlos wirkt, summiert sich zu einem der grössten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Die gute Nachricht: Es braucht keine Marathonvorbereitung, um dem Bewegungsmangel gegenzusteuern, sondern vor allem Regelmässigkeit.

Wir bestellen online, statt in den Laden zu gehen, fahren mit Bus oder Auto, lassen uns das Abendessen an die Haustür liefern und verbringen Stunden vor dem Computer oder über einen kleinen Screen gebeugt. Wir sitzen im Alltag immer mehr und bewegen uns gleichzeitig immer weniger. Das ist kein diffuses Gefühl, sondern ein Fakt: Weltweit sind knapp ein Drittel der Menschen nicht genügend aktiv. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2024. In der Schweiz liegt die Zahl laut WHO etwas tiefer, aber auch hierzulande ist rund jede fünfte Person zu wenig aktiv. Der Körper verzeiht das erstaunlich lange. Bis plötzlich der Rücken schmerzt, die Energie fehlt, der Schlaf schlechter wird oder die Konzentration nachlässt.

So weit muss es nicht kommen. «Jede Bewegung zählt» – das ist die Hauptbotschaft der «Schweizer Bewegungsempfehlungen», herausgegeben vom Bundesamt für Gesundheit, dem Bundesamt für Sport und der Gesundheitsförderung Schweiz. Um von den Vorteilen von Bewegung zu profitieren, muss man keinen Extremsport betreiben. Das Ziel ist viel bescheidener: Aktivität in den Alltag einzubauen, denn davon profitiert der Körper längerfristig am meisten. Die WHO gibt konkrete Leitlinien: Erwachsene sollten sich pro Woche 150 bis 300 Minuten bei mittlerer Intensität bewegen, Kinder und Jugendliche im Durchschnitt eine Stunde pro Tag.

Sport spricht den ganzen Körper an 

Dass Bewegung als Grundlage für ein gesundes, langes Leben gilt, hat einen einfachen Grund: Sport wirkt nahezu auf jedes System im Körper. Muskeln werden trainiert, stabilisieren den Bewegungsapparat und wirken direkt auf den Stoffwechsel, den Blutzucker sowie Entzündungsprozesse. Das Herz arbeitet effizienter, die Durchblutung verbessert sich und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt deutlich. Gleichzeitig wirkt Bewegung auf das Gehirn: Stresshormone werden reguliert, die Konzentrationsfähigkeit steigt, die Laune hellt sich auf und viele Menschen schlafen besser.

Krafttraining, Ausdauer und Koordination gelten deshalb heute als zentrale Bestandteile eines gesunden Alterns und spielen eine entscheidende Rolle in der Diskussion um Longevity.

Bewegung ist ein Rundumkönner und ein Grundpfeiler der Gesundheitsprävention. Zu den mittleren Aktivitäten zählen laut den «Schweizer Bewegungsempfehlungen» Tätigkeiten, die zu verstärkter Atmung führen, aber in der Regel nicht schweisstreibend sind, wie zum Beispiel zügiges Zu-Fuss-Gehen, Velofahren und Treppensteigen, aber auch Schneeschaufeln oder Gartenarbeiten. Bereits kleine Routinen können einen Unterschied machen: zwei Stationen früher aussteigen und den Rest zu Fuss gehen; die Kollegin im vierten Stock persönlich besuchen, statt anzurufen; in der Mittagspause eine Runde drehen, statt am Schreibtisch zu bleiben. Der Körper reagiert weniger auf einzelne Ausnahmeleistungen als auf kontinuierliche Bewegung über lange Zeiträume. Das klingt simpel, geht in der Hektik des Alltags dennoch leicht vergessen, vor allem dann, wenn Sport einen weiteren Punkt auf der To-do-Liste darstellt.

Prävention gegen Zivilisationskrankheiten

Dabei sprechen die Zahlen für sich: Nicht übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Krebs verursachen in der Schweiz fast drei Viertel aller Todesfälle, wie BAG-Monitoringdaten zeigen. Regelmässige Bewegung kann diesen Erkrankungen präventiv entgegenwirken und im Krankheitsfall die Behandlung unterstützen. Viele sogenannte Zivilisationskrankheiten entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über Jahre durch Bewegungsmangel und dauerhaft sitzende Lebensweisen: Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Osteoporose oder chronische Rückenbeschwerden sind typische Beispiele. Es lohnt sich also, früh anzusetzen. Kinder haben meist einen starken, natürlichen Bewegungsdrang. Ermutigt man sie darin und gibt ihnen die Möglichkeit, verschiedene Sport- und Bewegungsformen auszuprobieren, legt man den Grundstein für einen aktiven Lifestyle.

Weniger Stress dank mehr Sport

Davon profitiert nicht nur der Körper, sondern auch die Psyche, paradoxerweise gerade dann stark, wenn der Alltag durchgetaktet und stressig ist und eigentlich kaum noch Zeit für Bewegung bleibt. Doch Sport wirkt sich direkt auf den Hormonhaushalt aus. Zwar löst körperliche Aktivität kurzfristig selbst eine Ausschüttung von Cortisol aus, also jenem Hormon, das der Körper auch unter Stress freisetzt. Doch wer sich regelmässig bewegt, trainiert damit auch seine Stressreaktion und der Grundspiegel des Stresshormons sinkt langfristig. Das belegt eine klinische Studie, die 2024 im Fachmagazin «Journal of Sport and Health Science» veröffentlicht wurde. Rund 130 Erwachsene im Alter von 26 bis 58 Jahren absolvierten ein Jahr lang mindestens 150 Minuten Ausdauersport pro Woche. Am Ende waren ihre Cortisolwerte im Haar, einem zuverlässigen Langzeitmarker für chronischen Stress, statistisch deutlich tiefer als bei der inaktiven Kontrollgruppe. Das Fazit: Körperliche Aktivität kann über ihre langfristige Wirkung auf den Cortisolspiegel zu den Faktoren zählen, die vor verschiedenen Erkrankungen und psychischen Belastungen schützen. 

Selbstständigkeit im Alter bewahren

Die WHO hält ebenfalls fest, dass regelmässige Bewegung die Symptome von Depressionen und Angstzuständen reduziert sowie die Gehirngesundheit fördern und somit das allgemeine Wohlbefinden steigern kann. Wer sich regelmässig bewegt, schläft tiefer, wacht erholter auf und geht gelassener durch stressige Phasen. Nicht nur in der Rushhour des Lebens trägt Sport zu mehr Lebensqualität bei, sondern wird mit zunehmendem Alter immer bedeutsamer. Die Muskelmasse nimmt mit den Jahren natürlicherweise ab, Gleichgewicht und Mobilität verschlechtern sich. Wer sich regelmässig bewegt, kann diesem Prozess entgegenwirken und länger selbstständig bleiben. Krafttraining, Ausdauer und Koordination gelten deshalb heute als zentrale Bestandteile eines gesunden Alterns und spielen eine entscheidende Rolle in der Diskussion um Longevity. Wer sich bisher wenig bewegt hat, sollte sich davon nicht abschrecken lassen: «Es ist nie zu spät, den ersten Schritt zu tun» ist ein weiterer Leitsatz der «Schweizer Bewegungsempfehlungen».

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