Solar- und Windenergie liefern Strom, wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, aber nicht immer dann, wenn die Schweiz ihn braucht. Damit die Energietransformation gelingt, muss sie Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit gleichzeitig leisten. Der entscheidende Hebel dafür liegt heute nicht nur in Stahl und Beton, sondern auch in den Daten und in der Datennutzung.
Die strukturellen Herausforderungen der Energiewende meistern
Mit dem Ausbau von Photovoltaik und Windkraft erfordert das Stromsystem mehr Flexibilität. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Wärmepumpen, Elektromobilität und die Elektrifizierung der Industrie. Primeo Energie ist ein in der Schweiz und in Frankreich aktiver, genossenschaftlich organisierter Energieversorger mit Hauptsitz in Münchenstein. Das Unternehmen sieht in der Möglichkeit, auf der Basis von Datenanalysen konkrete Handlungen abzuleiten, den entscheidenden Hebel für das Energiesystem der Zukunft. Wer Verbrauchs-, Produktions-, Wetter- und Marktdaten zeitnah oder nahezu in Echtzeit zusammenführt, kann die Energieinfrastruktur intelligenter steuern und Investitionen gezielter einsetzen. Damit verändert sich auch die Rolle der Energieversorger grundlegend. Aus dem klassischen Strom- und Wärmelieferanten wird ein Energiedienstleister, der zugleich Asset-Manager, Plattformbetreiber und Datentreuhänder ist.
Mit dem Ausbau von Photovoltaik und Windkraft erfordert das Stromsystem mehr Flexibilität. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Wärmepumpen, Elektromobilität und die Elektrifizierung der Industrie.
Drei Bausteine für eine datengetriebene Energiezukunft
Im Zentrum dieser neuen Rolle steht eine Verschiebung aufseiten der Kundschaft: Aus passiven Konsumentinnen und Konsumenten werden aktive Prosumer, die ihre eigene Energie produzieren, speichern, steuern und vermarkten. Sie leisten damit einen aktiven Beitrag zur Energietransformation. Die Aufgabe der heutigen Energieversorger besteht darin, sie darin zu befähigen. Die Strategie von Primeo Energie ruht entsprechend auf drei aufeinander abgestimmten technologischen Säulen: Als Plattformbetreiber eröffnet das Unternehmen zum Beispiel mit der App «Hey Primeo» den Kundinnen und Kunden einen einfachen, digitalen Zugang zur eigenen Energietransformation, heute primär in Form einer KI-gestützten Analyse des Stromverbrauchs auf Geräteebene, perspektivisch ergänzt durch eine automatische Steuerung von Elektroauto-Ladesäulen, Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und Heimspeichern anhand dynamischer Preissignale. Als Asset-Manager bündelt Equalio, der Regelenergiepool von Primeo Energie, dezentrale Anlagen wie Batteriespeicher, Wasserkraftwerke und Blockheizkraftwerke zu einem virtuellen Kraftwerk, das in Echtzeit zur Stabilität des Schweizer Stromnetzes beiträgt und Erlöse aus Regelenergie-, Day-ahead- und Intraday-Märkten erschliesst. Ein zentraler Hebel dabei ist Demand-Response: die gezielte, automatisierte Verschiebung von Lasten – etwa von Wärmepumpen oder Elektrofahrzeugen – in Abhängigkeit von Netzlage und Marktpreisen. Und als Datentreuhänder verbindet eine cloudbasierte Datenplattform alle relevanten Datenquellen wie Smart Meter, Netz-, Markt- und Wetterdaten zu einer einheitlichen, modular aufgebauten Architektur. Sie ist das digitale Rückgrat, das Echtzeitanalysen, Forecasting und automatisierte Optimierungen erst möglich macht.
Netzausbau: Investitionen dank Daten optimieren statt überdimensionieren
Daten sind dabei weit mehr als ein technisches Hilfsmittel. Mit digitalen Zwillingen des Netzes simuliert Primeo Energie Lastflüsse, antizipiert Engpässe und identifiziert präzise, wo Investitionen wirklich nötig sind. Laut einer Hexagon-Studie aus dem Jahr 2024 erzielen Unternehmen, die digitale Zwillinge einsetzen, im Schnitt 19 Prozent Kostenreduktion. So lassen sich umfangreiche Netzinvestitionen neu priorisieren, indem die bestehende Infrastruktur dank Datenanalyse und intelligenter Flusssteuerung besser ausgenutzt wird. Das schafft Spielraum für jene Investitionen, die für die Energietransformation tatsächlich entscheidend sind.
Derselbe Datenmotor wirkt im Schweizer Regelenergiemarkt. Hier sind die Kosten seit 2022, insbesondere aufgrund eines unvollständig funktionierenden Marktmechanismus, stark gestiegen, was wiederum die Endkundinnen und Endkunden belastet. Mit Machine-Learning-Modellen, die Wetterdaten alle zehn Minuten neu interpretieren, korrigiert Primeo Energie Prognoseabweichungen früher und reduziert somit die Position auf dem Ausgleichsenergiemarkt.
Hinter der Digitalisierung, die Primeo Energie vorantreibt, steht eine klare Haltung: Die Daten gehören den Kundinnen und Kunden.
Vom Versorger zum Energiedienstleister
Hinter der Digitalisierung, die Primeo Energie vorantreibt, steht eine klare Haltung: Die Daten gehören den Kundinnen und Kunden. Sie werden anonymisiert verarbeitet, nur mit expliziter Zustimmung für weitere Zwecke genutzt und in einer modularen Architektur mit strikten Governance-Regeln geschützt. Datenschutz, Sicherheit und Compliance konsequent «by design» zu verankern, ist das erklärte Zielbild, an dem Primeo Energie kontinuierlich arbeitet. Auf dieser Grundlage vollzieht sich der eigentliche Wandel der Energiebranche. Aus dem klassischen Energieversorger wird ein Energiedienstleister, der Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vereint.
Weitere Informationen unter:
primeo-energie.ch
Kurzinterview mit Cédric Christmann, CEO Primeo Energie
Herr Christmann, was bedeutet «datengetrieben» konkret für eine Genossenschaft mit bald hundertdreissig Jahren Geschichte?
Primeo Energie ist als Genossenschaft entstanden, aus dem Gedanken, dass Energie ein gemeinsames Anliegen ist. Genau diese Logik führen wir heute weiter: Aus dem klassischen Energieversorger wird ein datengetriebener Energiedienstleister, der seine Kundinnen und Kunden befähigt, ihre eigene Energiezukunft aktiv mitzugestalten. Daten sind dabei nicht das Ziel, sondern das Werkzeug, das diesen Wandel überhaupt möglich macht.
Wo zeigt sich der konkrete Nutzen für die Kundschaft schon heute?
Ich nenne zwei Beispiele. Mit unserer App «Hey Primeo» helfen wir Haushalten, ihren Stromverbrauch zu verstehen und gezielt zu optimieren. Eine künstliche Intelligenz zerlegt den Verbrauch auf Geräteebene und zeigt konkrete Sparpotenziale. Und mit dem digitalen Zwilling unseres Netzes können wir bestimmte Investitionen neu priorisieren, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Beides spart langfristig Kapital. Davon profitieren am Ende die Kundinnen und Kunden, über angemessenere Tarife und neue Erlösmöglichkeiten.
Wie sieht ein vollständig datengetriebenes Energieunternehmen in zehn Jahren aus?
Es ist vollständig integriert in einen nationalen Datenhub und in einen europäischen Regelenergiemarkt. Künstliche Intelligenz unterstützt einen Grossteil der operativen Prozesse, und die Mitarbeitenden werden zu Orchestratorinnen und Orchestratoren, die Kundinnen und Kunden begleiten und neue Dienstleistungen schaffen. Die Europäische Kommission hat 2025 eine strategische Roadmap für Digitalisierung und KI im Energiesektor verabschiedet. Das, was wir bei Primeo Energie heute operativ umsetzen, ist genau der Weg, den Europa einschlagen will.


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